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27.09.2026
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Änderung im Plan. Eigentlich hatte ich vor bei meiner Analyse der Veränderungen an der Nordseite der Ernst-Thälmann-Straße (Kreuzstraßenabschnitt) chronologisch vorzugehen. Jedoch warte ich noch auf das Auffinden einer Fotografie, die ich in Norbert Jurks 2017er Buch fand und die ziemlich sicher aus dem Senftenberger Stadtarchiv stammte. Nur kann man/ich sie dort aktuell nicht finden.

In dieser Angelegehnheit werde ich demnächst einen weiteren Anlauf unternehmen und deshalb heute an das andere Ende des Zeitstrahls gehen und quasi die Geschichte von hinten aufrollen. Zumindest so weit sie fotografisch belegbar und nicht jünger als 1989 (mein persönliches Betrachtungsende) ist.
Den Anfang mache ich dabei mit der - nach meiner Einschätzung - jüngsten Aufnahme, die ich aufgrund fehlender sachdienlicher Details auf <= 1989 eintakte.
Hierbei orientiere ich mich an der doch vergleichsweise üppigen Vegetation auf der - wie erinnern uns - 1967 geschaffenen "Grünfläche" an der Stelle, wo sich einst die Hausnummer 25 befand.
Diese, durch Grünzeug leidlich kaschierte Baulücke wird komplettiert durch die immer noch fehlende Bebauung der Hausnummer 19. Wenn man mal von der Mauer absieht, die an dieser Stelle seit ca. Mitte der 1950er Jahre den Lückenschluß darstellte und während dieser Zeit für allerlei großflächige Reklameaufschriften herhalten durfte.

Wobei diese Form der Kundeninformation mit Ende der 1970er wohl ein Auslaufmodell war. Mit der durch die SED 1976 verordneten Streichung sämtlicher Werbe-Etats für die volkseigenen Betriebe verschwand nicht nur die Reklame im DDR-Fernsehen, auch die Außenreklame und Werbung in Druckerzeugnissen wurde massiv zurückgefahren.

Senftenberg
Aufnahme < 1989
Archiv der Stadt Senftenberg
Einige Jahre später - 1990 - wurde nicht nur die berühmte Mauer, die Ost- und Westberlin trennte, geschliffen, nein auch die "Senftenberger Mauer" an der Hausnummer 19 wurde eingerissen und nach sage und schreibe 45 Jahren erfolgte der finale Lückenschluß durch Bau eines Hauses. In dessen Parterre hielt im August 1991 die Buchhandlung "Glück Auf" Einzug um für die nächsten 33 Jahre ein fester Bestandteil der Senftenberger Einkaufswelt zu sein und darüber hinaus bei der Herausgabe von 3 Handvoll Heimatbücher (Forkert, Jurk) entscheidend mitzuwirken.
Ende 2024 gab das Ehepaar Britta und Axel Schmidt aus gesundheitlichen Gründen die Inhaberschaft der Buchhandlung auf. Doch der Laden blieb den hiesigen Lesern bis heute erhalten. Nunmehr unter der Ägide der Firma Hugendubel.

Davon ahnt man auf der Fotografie rechts noch nichts. Wie angedeutet: irgendwelche Anhaltspunkte aus denen man sicher ein Entstehungsjahr ableiten kann sind darauf nicht enthalten. Doch ich bleibe bei meiner Taxierung auf die 1980er. Besonders weil wir über Aufnahmen verfügen, die 100%ig auf 1976 datierbar sind und die in bereits erwähnter Grünanlage keinen hohen Bewuchs zeigen. Und genau diese Fotos folgen nun...

Senftenberg
Aufnahme = 1976
Archiv der Stadt Senftenberg
Beide Aufnahmen findet man auch in Norbert Jurks "Senftenberg im Wandel der Zeit" (2017). Im linken Fall aber beschnitten. Es sind diejenigen Fotos, bei denen sich Norbert datumstechnisch - sehr wahrscheinlich durch eine falsche Beschriftung des Stadtarchivs - in die Irre führen ließ und sie für 1989 ausgab.
Nicht zuletzt durch meine Darlegung unter Neues 695 steht fest, daß diese beiden Aufnahmen vielmehr aus dem Jahr 1976 stammen.
In jenem Sommer 1976 wurden eine ganze Reihe von sehr ähnlichen Fotos geschossen. Alle von so ziemlich derselben Position.
Senftenberg
Aufnahme = 1976
Archiv der Stadt Senftenberg
Lediglich das abgebildete Personal unterscheidet sich jeweils. Erhalten geblieben sind mindestens drei S/W-Fotos sowie eine Farbaufnahme. Letztere fand anno 1979 Verwendung in der offiziellen Festschrift zum 700. Geburtstag der Stadt.
Im Archiv lagert dieses Farbfoto, doch dessen Bildqualität ist nicht sonderlich gut. Deshalb habe ich darauf verzichtet, die Aufnahme "regulär" aufzuarbeiten und stelle sie stattdessen nur in der Form rechts vor. In dieser Größe sind die Probleme nicht sichtbar und doch reicht es für einen Eindruck, wie sich das, was wir bislang nur in schwarz-weiß zu Gesicht bekamen, damals in Farbe darstellte.
Um noch einmal auf die erwähnte Festschrift zurückzukommen... darin findet man folgenden zugehörigen Text:
Besonders attraktiv sind die Verkaufsstellen der Konsumgenossenschaft "Schmuckkästchen", "Haushaltwaren" und "Haus der Dame" in der Ernst-Thälmann-Straße mitten in der Altstadt. Die umfangreichen Rekonstruktionsmaßnahmen und der Um- und Ausbau von Altbausubstanz durch die Bauschaffenden und Mitarbeiter des Handels in dieser Straße haben nicht nur schmucke Handelseinrichtungen entstehen lassen, sondern gleichzeitig moderne und geräumige Wohnungen.

Kann man für die damalige Zeit so stehen lassen. Leider befindet sich die Kreuzstraße hinsichtlich Attraktivität seit einigen Jahren massiv auf dem absteigenden Ast.

Dies gilt mittlerweile für den Großteil der Senftenberger Innenstadt. Und da möchte man gegensteuern bzw. die Entwicklung umkehren. Ob aber die angestrebte Mitgliedschaft Senftenbergs in der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg“ die passende Medizin ist?

Diese Bestrebungen gibt es offenbar schon mindestens seit zwei Jahren doch erst vor kurzem wurde die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt. In ein paar Tagen soll nun der Prozess mit den Stimmen der Stadtverordneten in die letzten Bahnen gelenkt werden. Von besagter Mitgliedschaft erhofft man sich allerhand Effekte für die Stadt und betrachtet die 10.500 Euro Jahresbeitrag als eine gute Investition in die Zukunft. Die Beschlussvorlage für die nächste SVV führt über zweieinhalb DIN A4-Seiten aus, welche Chancen sich als 32. Mitglied dieser AG ergeben könnten. Ob das letztlich alles so eintritt, bleibt abzuwarten.
Mich interessiert das Ganze aus einer anderen Perspektive, denn in der Beschlussvorlage steht Zwingende Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die Gebäudestruktur in der Altstadt einen 75%igen Anteil von Gebäuden mit Bau vor 1918 aufweisen muss. Es besteht Klärungsbedarf, ob es hierzu eine Erfassung/Untersuchung gibt. Und weiter: Im Rahmen der Erarbeitung der Erhaltungssatzung für die Senftenberger Altstadt im Jahr 2025 wurde durch das Stadtplanungsamt der Anteil eines 75%-igen Anteils von Gebäuden mit Bau vor 1918 geprüft und bestätigt. Damit erfüllt die Stadt zunächst die Grundvoraussetzung für eine Mitgliedschaft in der AG. Im nächsten Schritt wurde eine Interessensbekundung abgegeben und für die Beratungskommission wurde die Vorbegutachtung für den 05.08.2025 vorbereitet.

Was ich ein wenig merkwürdig finde... in den Unterlagen der AG selbst steht folgendes zu dieser Grundvoraussetzung: Die Mitgliedsstädte weisen im historischen Stadtkern überwiegend historische Bebauung auf. Von überwiegend historischer Bebauung wird ausgegangen, wenn mindestens 3/4 der baulichen Substanz vor dem Jahr 1914 errichtet wurde und die Fassaden der Gebäude die stilistischen Merkmale ihrer Entstehungszeit erkennen lassen.

Okay, 4 Jahre sind nicht die Welt und während des 1. Weltkriegs hat sich die Bautätigkeit in Senftenberg sicher in engen Grenzen gehalten. Und um (zahlende) Mitglieder zu gewinnen, wird man sicher das eine oder andere Auge zudrücken. Komisch ist diese Diskrepanz zwischen den offiziellen Dokumenten trotzdem. Das 1918, von dem die Stadtverwaltung spricht, findet sich in gewisser Weise auch in einer Grafik wieder, die Bestandteil einer zum Gesamtgedeck zugehörigen Präsentation aus dem Jahr 2025 ist. Darin sind die in Frage kommenden Gebäude farblich markiert und damit visuell in fünf Bau-Epochen einsortiert.

Die Grafik ist leider wirklich nur in dieser miesen Qualität in der Präsentation verbaut aber ich denke, man sieht so halberwegs worum es geht. Und man erkennt, daß das Ganze schon vor (sehr) längerem erstellt worden sein muß, denn manche Gebäude fehlen und andere gibt es mittlerweile schon nicht mehr. Und was die Korrektheit der Einfärbungen betrifft, sieht mir das teilweise mehr nach Gefühl als nach Gewissheit aus.
Was fiel mir sofort auf?

  • die "Drogerie" ist Baujahr 1924 und nicht blau oder gar lila (man kann es tatsächlich nicht erkennen). Diese Diskussion führte ich bereits vor 10 Jahren anläßlich der Rekonstruktion des Hauses
  • "Waldschmidt" ist abzüglich des Erweiterungsbaus im Westen Baujahr 1909 und würde also in die 75%-Regel "einzahlen"
  • dagegen würde "Markt 14" rausfallen, denn das Haus wurde 1937 neu gebaut
  • "Moritz Krüger" am Markt 8 wurde 1925 neu aufgebaut, lila ist somit falsch
  • die Feuerwache ist mit Sicherheit nicht "vor 1880" sondern müsste blau eingefärbt werden
  • Das Gebäude der (heutigen) Volksbank wurde nach 1945 neu errichtet, hellblau ist falsch
  • Damit sich der Kreis schliesst, extrahiere ich zum Schluß einmal den Teil der (nördlichen) Kreuzstraße, den ich in der vorigen und diesen Woche am Wickel hatte. Daß ich damit noch nicht fertig bin spielt für die folgenden Anmerkungen keine maßgebliche Rolle.

  • Kreuzstraße 1 - blau - ist korrekt
  • Kreuzstraße 3 - blau - falsch - müsste hellblau sein
  • Kreuzstraße 5 - blau - falsch - müsste hellblau sein
  • Kreuzstraße 7 - grün - ist korrekt
  • Kreuzstraße 15 - grün - ist korrekt
  • Kreuzstraße 17 - blau - falsch - müsste grün sein
  • Kreuzstraße 19 - grün - kann man gelten lassen, ggf. gelb
  • Kreuzstraße 21 - lila - fraglich
  • Kreuzstraße 23 - blau - falsch - müsste hellblau sein
  • Kreuzstraße 25 - gelb - ist korrekt
  • Aber auch die Südseite der Kreuzstraße sieht mir verdächtig aus. "Wesenfeld" zum Beispiel. Neubau 1939 und damit hellblau.

    Tja, was fangen wir nun mit diesen Informationen an? Ich fragte Anfang der Woche dazu einfach einmal im "Büro des Bürgermeisters" nach. Und? Keine Antwort ist auch eine Antwort.
    Ich kann mir gut vorstellen, was die Damen und Herren denken..."Da ist er wieder, der Jahreszahlenfetischist und Krümelkacker. Der wird uns mit seiner Klugscheißerei noch alles vermasseln! Hat er ja schon mit unserem schönen Aktivist-Kohlenschuppen versucht. Wichtigtuer!"

    Aber wer wird denn gleich? Ich habe doch gar nicht in den Raum gestellt, daß die Bewerbung möglicherweise, eventuell, unter Umständen auf tönernen Füßen stehen könnte. Stattdessen wollte ich lediglich anregen, daß sich vielleicht mal jemand an verantwortlicher Stelle befleißigt und gewisse Daten auf den aktuellen Stand der Forschung bringt. Das sollte meines Erachtens auch im Interesse der Instanz sein, die für die Steuerung der Senftenberg-Chronik-Erstellung verantwortlich zeichnet. Oder hört und erzählt man sich dort lieber "Geschichten aus dem Paulaner-Garten"?