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Wer die vergangene Woche genutzt hat, sich in die Thematik "Das Verschwinden des Dorfes Rauno" einzuarbeiten und dazu meine bisherigen Ausführungen gelesen hat, dem werde ich nichts Neues erzählen, wenn ich hier wiederhole, daß ein Großteil der ehemaligen Dorfbewohner eine neue Heimat in Buchwalde, Koschen und in einem hohen Maße in Sedlitz fand.

Ob die Betroffenen dies mit Hurra! begrüßten, wissen wir nicht. In der Mehrzahl wohl eher nicht. Das obige Faksimile wurde übrigens von mir zweckentfremdet. Zwar auch im Jahre 1926 im Senftenberger Anzeiger abgedruckt aber dennoch in keiner Verbindung mit der Umsiedlung der Menschen stehend. Ich fand es aber irgendwie passend für den kleinen geschichtlichen Rückblick in die zweite Häfte der 1920er Jahre in denen das kleine Dorf Sedlitz plötzlich vor einigen Herausforderungen stand und binnen kurzer Zeit einen Bevölkerungszuwachs von mehr als 300 Personen erfuhr. 1925, vor der Umsiedlung der Raunoer, lebten in Sedlitz 1808 Menschen. 1927 betrug die amtliche Einwohnerzahl 2123.
Im Frühjahr 1926 begann der Umzug von rund 90 Familien aus Rauno, die in übergroßer Anzahl eine neue Heimat in den drei oben genannten Orten suchten und fanden.
Ende Februar führte der Senftenberger Anzeiger aus:

Sedlitz, 25. Febr. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Raunoer Bevölkerung ist noch nicht hier und schon hat das Geschäftsleben unseres Ortes eine wesentliche Vermehrung erfahren. In den letzten Wochen ist ein zweiter Fleischereibetrieb eröffent worden und ein neuer Friseur hat seine Tätigkeit begonnen. Zu Beginn dieser Woche hat nunmehr auch ein praktischer Arzt seine Praxis hier aufgenommen und die Vorbereitungen zur Ausübung eines zahnärztlichen Berufes sind ebenfalls schon getroffen. Die aufstrebende Entwicklung von Sedlitz bietet sicher für alle ein ausreichendes Betätigungsfeld.

Das klang ja recht positiv. Und auch für die noch wesentlich drängendere Frage, nämlich der nach dem notwendigen Wohnraum, hatte man eine Lösung. Die Ilse-Bergbau AG errichtete an der Westflanke des Dorfkerns eine Reihe von Mehrfamilienhäusern. Die dazugehörende Zuwegung erhielt sinnigerweise den Namen "Raunoer Straße", den sie heute noch immer trägt. Ob die Bezeichnung "Raunoer Siedlung" wie wir sie auf der nebenstehenden Ansichtskarte finden, jemals offiziell existierte, dafür habe ich keinen Beweis. Aber immerhin tauchte dieser Name noch auf einem weiteren Stück (das sich immer noch auf meiner Wunschliste befindet) auf:

Der Bestandteil einer Zweibildkarte, von einem ähnlichen Punkt aus aufgenommen, stellt die Szenerie um einiges später dar als auf der Ansichtskarte rechts. Insofern muß sich die Bezeichnung "Raunoer Siedlung" doch etwas länger gehalten haben.
Ob die Zeitbestimmung für die Ansichtskarte mit <= 1933 hinreichend genau ist? Schwer zu sagen.
Senftenberg
Ernst Wenzel, Photogr., Senftenberg.
Aufnahme <= 1933
Sammlung Matthias Gleisner
Wie man auf dem Faksimile rechts sehen kann, hatte man sich spätestens 1937 an die rechte Seite der Raunoer Straße gewagt und die dort befindlichen Vorgärten hübsch eingezäunt. Auch scheint mir, daß aus der ehemaligen Sandpiste mittlerweile eine echte Straße geworden war.

Am 8. Mai 1926 vermeldete der Senftenberger Anzeiger:

Die neuen Siedlungshäuser und die ausgebauten Wohnungen im Dorf sind nunmehr zum Teil bezogen worden. Fast täglich treffen noch Familien aus Rauno ein. Die Zahl der hiesigen Schulkinder hat bereits erheblich zugenommen. Wegen Ueberfüllung der untersten Klasse ist es erforderlich geworden, diese zu teilen und den Unterricht in den anderen Klassen infolgedessen entsprechend zu kürzen.

Einen Monat später, ebenfalls der Senftenberger Anzeiger:

Sedlitz, 14. Juni. ... Seit Ostern hat sich die Zahl der die hiesige Volksschule besuchenden Kinder um etwa 60 vermehrt.

Daß sich der Bevölkerungszuwachs in Sedlitz auch in Form steigender (Schul-)kinder-Zahlen bemerkbar machen würde, das hatte man schon im Vorfeld prognostiziert. Die Sedlitzer Schule war darauf jedoch vor allem räumlich nicht gut vorbereitet. Deshalb brachte man schon zu Beginn einen Schulneubau ins Gespräch und forcierte im Laufe des Jahres die Bemühungen dahingehend. Die Verhandlungen zwischen der Gemeinde, der Ilse-Bergbau AG und den zuständigen Regierungsstellen gestalteten sich äußerst zäh und es dauerte bis in den Sommer 1928, in welchem man endlich den ersten Spatenstich tat. Die Bauarbeiten zogen sich jedoch noch bis zum April 1930 hin. Am 23. April 1930 erfolgten die Einweihungsfeierlichkeiten des für Sedlitzer Verhältnisse imposanten Gebäudes.
Die Schule sehen wir neben drei anderen Sedlitzer "Wahrzeichen" auf der nebenstehenden Mehrbildkarte. Das Stück dürfte relativ selten sein, aber Ansichtskarten aus Sedlitz gehören ohnehin zu den raren Veröffentlichungen.
Wobei angesichts der Größe des Dorfes und seiner Bedeutung doch schon verhältnismäßig viele kommerzieller Produkte aufgelegt wurden.

Was die Zeitbestimmung des Exemplars angeht, ist diese mal wieder etewas schwammig. Aufgrund des abgebildeten "Heims der Hitlerjugend", dessen Richtfest im Januar 1939gefeiert wurde, engt sich der Spielraum erheblich ein und dürfte realistisch bei 1939 - 1941 liegen.

Senftenberg
Foto P. Kostrau, Sauo, N.-L.
20060
Aufnahme <= 1944
Sammlung Matthias Gleisner