Neueres

520 519 518 517 516 515 514 513 512 511 ♦ 510 ♦ 509 508 507 506 505 504 503 502 501 500 499 498 
533  500  450  400  350  300  250  200  150  100  50  1  

Älteres

03.04.2022
1 Kommentar

Im Jahre 2006 erschien die nachfolgende Zeichnung in dem Buch "Senftenberger Rückblicke" :

Mir ist es bis auf den heutigen Tag nicht gelungen, die Provenienz dieser Grafik zu klären. Werner Forkert, den Autor des Buches, kann ich nicht mehr fragen. Er starb 2008, also 2 Jahre vor meinem Einstieg in die Senftenberger Heimatgeschichte. Ich hätte mich gerne mit ihm über die Historie unserer Heimatstadt ausgetauscht. Nicht nur über die Herkunft dieser Abbildung, sondern auch über das Eine oder Andere, das er publizierte und wo ich ggf. abweichender Meinung bin. Wahrscheinlich hätte ich irgendwann auch mit Kritik hinsichtlich seiner Quellenangaben und Kennzeichnung von Zitaten, oder besser gesagt: die diesbezügliche Missachtung grundlegender Prinzipien, nicht mehr hinterm Berg halten können. Es hat nicht sollen sein und so stehe ich im Jahre 2022 immer noch vor diesem, zugegebenermaßen: kleinen, "Rätsel".

Wobei ich glaube, und ich denke da wird mir die Mehrheit zustimmen, daß das Foto, das auf der rechts abgebildeten Ansichtskarte Verwendung findet, als Vorlage für den Zeichner diente. Der Ausführende sparte sich zwar einige Details wie die auf dem Foto sichtbaren Personen aber ansonsten stimmt so ziemlich alles überein.

Die Aufnahme ist nicht neu. Vor fast 9 Jahren restaurierte ich digital ein Originalfoto davon. Aufgrund der starken Beschädigungen mußte ich aber kreativ werden und warf ein wenig über Bord (die Schranke rechts) und erschuf auch einen gänzlich neuen Himmel. Die Arbeit nahm damals viele Stunden in Anspruch aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem wenn man meine Vorlage zum Vergleich heranzieht. Diese ist u.a. auf Seite 53 des Buches "Alt-Senftenberg - Eine Bilderchronik" von Isolde Rösler (1992) abgebildet. Man sieht dort, daß jemand auf das Original mit Filzstift ein "1929" geschrieben hatte. Abgesehen davon daß ich dies für Frevel halte, ist die Datierung natürlich völliger Blödsinn.
Wobei ich selbst hinsichtlich der zeitlichen Einordnung bis vor kurzem noch ziemlich vage bleiben mußte. Mit dem Auftauchen der kommerziellen Ansichtskarte und dem darauf befindlichen Postausgangsstempel lässt sich das Entstehungsjahr der Bahnhofsansicht nunmehr besser eingrenzen.

Senftenberg
Postkarten Versandhaus Otto Rechnitz, Cottbus
Aufnahme <= 1902
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Ich habe es in der Vergangenheit bereits mehrfach erwähnt: ich tat mich anfangs sehr schwer mit Ansichten vom alten Bahnhof. Ich versuchte nämlich den Bau irgendwie auf die heutigen Gegebenheiten zu projizieren. Nicht ahnend, daß weder der Standort noch die bauliche Hülle des abgebildeten Gebäudes etwas mit dem heutigen wohlbekannten Bahnhof Senftenbergs zu tun hat. Naja, jeder fängt mal klein an und deswegen ist mir das auch nicht so wirklich peinlich.
Apropos "wohlbekannt"... irgendwie mehr "verschrien" würde ich sagen. Als täglicher Nutzer des Haltepunktes, mehr ist es ja nun wirklich nicht mehr, sieht man wie das Gelände rings um den Senftenberger Bahnhof immer weiter verkommt. Und auch das Empfangsgebäude nebst Zuwegung zu den Bahnsteigen hätte mal eine Generalüberholung nötig. Diese wird es meiner Meinung nach erst mit einer Umwidmung des Gebäudes geben können. Die Deutsche Bahn als Eigentümer der Immobilie ist aktuell nicht daran interessiert hier vor Ort mehr als das Allernotwendigste zu investieren.
Diese Botschaft ist mittlerweile auch in dem Amtsstuben Senftenbergs angekommen, weshalb man die Sanierung/Umgestaltung/Neuordnung des Bahnhofsumfeldes als dringliche Maßnahme ansieht und kurzerhand zur "Chefsache" erklärte. Das ist aber auch schon ein paar Monate, wenn nicht Jahre, her.
Jedenfalls ist bislang noch nicht so wirklich Zählbares an die Öffentlichkeit gedrungen. Es fand zwar ein studentischer Wettbewerb statt, der die eine oder andere gar nicht einmal so schlechte Idee produzierte aber im Großen und Ganzen: still ruht der See. In den letzten 2 Wochen gab es diesbezüglich ein mittleres Blätterrauschen in der Lausitzer Rundschau aber was dort preisgegeben wurde zeigt mir, daß man hier vor Ort immer noch Höhenflüge (Parkhaus, Vergrößerung des Busbahnhofes) anstrebt. Wie wäre es mal mit dem Backen kleinerer Brötchen? Dann müssten wir vielleicht nicht noch weitere Jahre warten, bis das Projekt startet.
Eines der Häuser in direkter Nachbarschaft des Empfangsgebäudes ist das rechts abgebildete. Der heutige Zustand lässt sehr zu wünschen übrig, ist aber noch nicht die schlimmste Ruine der Güterbahnhofstraße. Den ersten Platz nimmt nämlich das übernächste Haus, die ehemalige Gatsstätte "Zur Eisenbahn", ein. Ortskundige wissen, was ich meine. Aber das soll heute nicht das Thema sein.
Viel lieber feiern wir diese einmalige Fotopostkarte, die den Sitz der Spedition August Pache vor oder in 1908 zeigt.

In unser Firmenregister ist zufolge Verfügung vom heutigen Tage unter Nr. 401 die Firma "A.Pache" mit dem Sitze zu Senftenberg und als deren Inhaber der Spediteur August Pache zu Senftenberg eingetragen worden.
Senftenberg, den 7. Juni 1889.

Senftenberg
G.Gramsch, Dresden-N.,
Böhmischestr. 37
Aufnahme <= 1908
Sammlung Theodor Restel
Wie man am Faksimile aus dem Jahr 1914 vielleicht erkennen kann: das Speditionsunternehmen A. Pache ging in seiner Geschichte unter Beibehaltung des ursprünglichen Firmennamens durch mehrere Hände.
Der Name Groeger klingt dabei vertraut, denn noch heute kann man an der bröckligen Fassade diesen Namen als Nachf.olger angeschlagen sehen. Jedoch nicht Adolf sondern Max steht dort in großen Lettern.
Die Übernahme der Firma durch Adolf Groeger fand am 1. Oktober 1912 statt. Sieben Jahre später, am 1. Februar 1919 passierte der nächste Generationswechsel. Max Groeger trat gemeinsam mit seinem Schwager Joseph Richter in die Fußstapfen des Vaters respektive Schwiegervaters.
Danach gab es ein Hin- und Her. Mal war Max Groeger alleiniger Inhaber. Und mal war es andersrum. Im September 1932 ging das Unternehmen alleinig auf Richter über.
Und dies blieb mutmaßlich auch bis zum Ende des 2. Weltkriegs so. Ob und ggf. wie es nach dem Krieg weiterging, entzieht sich aktuell meiner Kenntnis. Mir liegen leider keine Dokumente vor, die das weitere Schicksal der Firma Pache beleuchten könnten.