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Es dürfte keinem, der hier regelmäßig vorbei schaut, entgangen sein, daß sich seit knapp einem Jahr die zeitliche Gewichtung in Richtung Gegenwart verschoben hat.
Freunde klassischer Ansichtskarten wie ich werden dies vielleicht bedauern, andere hingegen werden es möglicherweise "knorke" finden, daß ich verstärkt Fotos
aus Zeiten vorstelle, die sie selbst bewusst erlebt haben. Ich persönlich finde mittlerweile beides interessant und lohnenswert auch wenn mein Herz stets mehr für die sehr historischen Ansichten schlagen wird. Wie ich an anderen Stellen mehrfach zum Ausdruck brachte: die Zeit nach 1989 wird von mir mit Sicherheit nicht mehr beackert werden. Das müssen andere leisten! Beispielsweise diejenigen, die mit vereinten Kräften an einer Senftenberg-Chronik arbeiten, welche laut Aufgabenstellung den zeitlichen Rahmen von 600 v.Chr. bis in die Jetztzeit abdecken soll. Ob die angepeilte Maximalseitenzahl von 400 dafür ausreichend sein wird? Ich für meinen Teil würde den Autoren raten, nicht über Gebühr auf Ureinwohnern, Kaisern, Königen oder Kurfürsten rumzureiten, wenn sie etwas schaffen wollen, das einen gewissen Appetit beim (kaufenden) Publikum auslösen soll. Meine Erfahrungen zeigen, daß man Menschen eher mit Geschichte(n) und Bildern erreicht, in denen sie sich selbst irgendwie wiederfinden. Wobei selbst da die Aufmerksamkeitsspanne mittlerweile erschütternd kurz geworden ist. Die Leute von heute haben es lieber bunt, kurz und knapp anstatt langatmiger, staubtrockner Abhandlungen, die zudem nicht adäquat illustriert sind. Wobei ich, wie ebenfalls schon öfters von mir postuliert, unter der Senftenberger Bevölkerung keinen großen Hunger nach einer Chronik ihrer Heimatstadt verspüre. Meine zurückliegenden 10+ Jahre auf diesem Gebiet litten und leiden dahingehend nämlich unter einer wachsenden Ernüchterung. Wie dem auch sei, zumindest bei mir ist der 30. September 2028 im Kalender angestrichen. Bis dahin erwartet die Stadt Senftenberg - der Auftraggeber - eine "veröffentlichungsreife Druckvorlage" mit allem Pipapo. Es sind also noch genau vier Jahre bis dahin. Ist die verbleibende Zeit nun "massig ausreichend" oder eher "ziemlich eng"? Ich halte sie zumindest für sportlich, habe aber auch nur die Perspektive eines Hobby-Heimatsammlers, der daneben noch berufstätig ist und der schon mit der Ausgestaltung dieser Internetseite kapazitiv an seine Grenzen stösst. Nicht auszudenken, wenn ich noch - so gerne ich das auch täte - durch diverse Archive kriechen, Akten wälzen, kopieren, auswerten und verknüpfen müsste. Und dies immer mit einer Deadline im Nacken. Da liegt mir doch meine, nach außen zwanglos erscheinende, Veröffentlichungspolitik um einiges mehr. Gewissermaßen rächt sich heute der Müßiggang, der in den letzten 100 Jahren hinsichtlich einer kontinuierlichen Fortschreibung der Stadtgeschichte in Senftenberg an den Tag gelegt wurde. So lange ist es nämlich her, daß die letzte Veröffentlichung, die zumindest dem Namen nach den Charakter einer Senftenberg-Chronik beansprucht, erschien. Gemeint ist natürlich die Chronik der Stadt Senftenberg und der zum ehemaligen Amte Senftenberg gehörigen Ortschaften, im Volksmund "Paulitz-Chonik" genannt. Wobei man aber wissen muß, daß Paulitz bereits 1892 begann, seine Ausarbeitungen sukzessive in Form einzelner Heftchen zu veröffentlichen. 1925 wurde der Umfang aller bis dahin erschienenen Hefte schliesslich in Form eines Buches herausgebracht. Ohne daß an den zu diesem Zeitpunkt bereits veralteten mindestens aber nicht fortgeführten Informationen der Texte von 1892 ff. Korrekturen und/oder Ergänzungen erfolgten. Insofern ist die Aussage, daß die Stadtgeschichte bis zum Jahr 1925 vorliegt, im Einzelfall mit Vorsicht zu genießen. Neben Paulitz machten sich weitere Personen um die Senftenberger Geschichtsschreibung verdient. Ganz zuvorderst sicher Dr. Rudolf Lehmann. Doch waren Lehmanns Aufsätze, aber auch die von einigen anderen, die in den Folgejahren hauptsächlich in der Beilage des Senftenberger Anzeigers "Aus der Heimat - Für die Heimat" abgedruckt wurden, nie etwas Ganzheitliches. Zwar teilweise mit Chronikcharakter aber doch eher Streiflichter auf bestimmte, abgegrenzte Sachverhalte. Nach 1945 kam dies aus bekannten Gründen nahezu völlig zum Erliegen. 1979 - manch einer erinnert sich - erschien anlässlich des Jubiläums 700 Jahre Senftenberg eine Broschüre, die auf 32 (!!!) A4-Seiten die Geschichte Senftenbergs thematisierte. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend wurde dabei ausgiebig den Jahren 1945 bis 1978 gefrönt. Die 666 Jahre davor wurden kurz und knapp auf 4 Seiten abgehandelt. In den 1980ern versuchte man dann "von oben verordnet" mehrfach eine Arbeitsgruppe zu etablieren, mit dem Ziel die revolutionären und progressiven Leistungen der Werktätigen Senftenbergs nacherlebbar aufzuzeichnen. Offenbar weitestgehend folgenlos. Zum Ende der DDR hin, waren es hauptsächlich Martin Schertzberg und Werner Forkert, letzterer entweder allein oder im Zusammenhang der von ihm geleiteten Arbeitsgemeinschaft "Stadtführer", die öffentlich mit heimatgeschichtlichen Aktivitäten in Erscheinung traten. Entweder durch Beiträge in der Lausitzer Rundschau oder durch Ausstellungen wie jene, die noch kurz vor dem Kollaps der Republik, vom 27. September bis 5. November 1989 im HDW abgehalten wurde. Auf dieser wurden Originaldokumente des antifaschistischen Widerstandskampfes und Zeitzeugnisse der schweren Zeit in den Jahren 1945 und 1946 und des Beginns des Wiederaufbaus präsentiert. Anschauungstafeln über die Geschichte der Pionierorganisation und Bilder aus unserer heutigen Bergarbeiterstadt Senftenberg bildeten den Rahmen. Die übliche Propaganda halt, die zu diesem Zeitpunkt schon vom Leben überholt worden war. Und doch: neben dieser, von den damaligen Machthabern geförderten/geduldeten Geschichtsarbeit, existierte quasi "unter dem Radar" eine Privatinitiative, die in aller Stille in den 1970ern und 1980ern heimatgeschichtliche Arbeit verrichtete und final unter dem Titel "Chronik von Senftenberg" in eine massive schriftliche Materialsammlung mündete... (Fortsetzung folgt) |
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Bevor es noch in Schreib-Diarrhoe ausartet, beende ich mal lieber meine heutigen Betrachtungen zum Thema
"Chronik(en) von Senftenberg" und komme zu dem, das die Leute viel mehr mögen... bunt, kurz und knapp. Und dies mit einer ziemlich seltenen Ansichtskarte, die ein wenig aus dem Rahmen fällt. Es ist zwar nicht die erste Prägekarte, die ich vorstelle, aber eine derjenigen, wo man das Ganze ziemlich auf die Spitze getrieben hat. Nicht nur, dass man einen kleinen Rahmen in die Mitte der Karte presste, nein auch die gesamte Oberflächenstruktur selbst ist eine Prägung. On top kommt dann auch noch der in Gold geprägte Schriftzug. Ich denke, es ist erkennbar, daß die auf der Produktion enthaltene Marktansicht im letzten Arbeitsgang durch Aufkleben hinzugefügt wurde. Das Motiv selbst ist von einer Drei-Bild-Karte bekannt, aber es ist nicht unbedingt so gewesen, daß man eine solche einfach zerschnitten und aus den drei Schnippseln danach drei Varianten dieser Prägeversion erzeugt hätte. Diesen Nachweis kann ich derzeit nicht bringen, da mir die zwei anderen Motive noch nicht in dem hier gezeigten Design untergekommen sind. Möglicherweise existierten sie nie in dieser Form. Im direkten Vergleich zwischen der heutigen Ansicht und jener von der Drei-Bild-Karte fallen ein paar Unterschiede ins Auge. Die heutige ist vom Bildausschnitt etwas größer, von besserer Qualität, die künstlich hinzugefügten Wolken differieren und der Schriftzug SENFTENBERG-L. Markt ist an leicht anderer Stelle platziert. |
Aufnahme <= 1913
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Und doch spricht einiges dafür, daß die Basis des "Aufklebers" ein Zusammendruck mehrerer Motive war. Der am unteren
Rand noch leicht sichtbare Beginn eines weiteren Bildes erhärtet diesen Verdacht. Hinzu kommt noch das SENFTENBERG-L. auf dem Motiv selbst, das im Gesamtkontext
irgendwie "doppelt gemoppelt" ist, da sich der Herkunftsort ja im goldgeprägten Schriftzug zur Genüge manifestiert. Letztendlich bringen uns diese Erörterungen aber auch nicht viel weiter. Erfreuen wir uns stattdessen an dem Motiv, das nun in der bislang besten Qualität und dem größten Bildausschnitt vorliegt. Schön wäre natürlich, tauchte irgendwann eine Variante davon "in ganz groß" und uncoloriert auf. |
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