Neueres

311 310 309 308 307 306 305 304 303 302 301 300 299 298 297 296 295 ♦ 294 ♦ 293 292 291 290 289 288 287 286 285 284 283 282 281 280 279 278 277 276 275 
345  300  250  200  150  100  50  1  

Älteres


So langsam trudeln auch noch die letzten historischen Fotos und Ansichtskarten, die in den beiden, Anfang der 1990er Jahre erschienen, Bücher "Alt-Senftenberg - Eine Bilderchronik" und "Senftenberg - Bilder aus der Vergangenheit" verwendet wurden, bei mir ein.
Die Bücher entstanden unter der Regie des Senftenberger Museums und basieren abbildungstechnisch im Großen und Ganzen auf dem Bildarchiv des Museums.
Unter den Dingen, die ich bei meinem letzten Besuch des Museumsarchivs "ausgraben" konnte, war auch das rechts abgebildete Stück, welches ich hier und heute in digital optimierter Form präsentieren kann.
Es wäre auch schade gewesen, hätte ich diese Gelegenheit nicht bekommen, denn das Bild strahlt jede Menge Zeitcolorit aus und gehört zu meinen persönlichen Favoriten.

Wir sehen hier die Werkstätte vom "Schmiedemeister und geprüften Hufschmied" Fritz Klaua an der Ecke Kaiser-Friedrich-Straße/Schmiedegasse in Jüttendorf. Die Zeitangabe im Buch ("Aufnahme um 1920") ist natürlich Quatsch! Erstens verließ der verantwortliche Fotograf Hermann Meyer Senftenberg im Jahre 1910 und darüber hinaus zeigt das Bild alle Anzeichen einer Produktion um die Jahrhundertwende. Das <= 1901 habe ich jetzt einmal freihändig festgelegt, da über der Haustür noch die Nummer 30 prangt. Nach der Umnummerierung sämtlicher Häuser Senftenbergs, die im Mai 1901 beschlossen wurde, hätte einige Zeit später an dieser Stelle eine 14 stehen müssen.

Senftenberg
Photographisches Atelier von
Herm. Meyer
Senftenberg, N.-L.
Aufnahme <= 1901
Museen OSL
Da wir gerade bei Zeitcolorit sind... Im Senftenberger Anzeiger des Jahres 1937 erschien unter dem Titel Bei Senftenberger Schmieden zu Besuch ein toller Beitrag, der zwischen allgemeiner Bewunderung für das Schmiedehandwerk und lokaler Geschichte pendelt und uns jede Menge Informationen über die gute alte Zeit vermittelt, die 1937 auch schon vorbei war und erst recht heute, weitere 80 Jahre später...

Neues und Altes von einem ehrbaren Handwerk.

Flammen, glühendes Eisen, wirbelnder Ruß und dröhnender Hammerschlag! Man darf weder einen hellen Sommeranzug anziehen noch empfindliche Nerven mitbringen, wenn man einen Schmied bei seiner Arbeit besuchen will. Hier ist alles Kraft, Gesundheit und schaffende Arbeit mit starkem Mannesarm, mit schwieligen Fäusten, die das Zupacken gewöhnt sind.
Vor dem Herde, auf dem die rote Glut flammt, steht der wuchtige Amboß. An den Wänden hängt das Werkzeug schwersten und größten Ausmaßes, das Extrem zu den feinen Zänglein in der Werkstatt des Uhrmachers, und von der Decke herab pendelte ehedem der Handgriff, mit dem einst der Lehrbub den Blasebalg betätigte. Heute ersetzt der elektrische Ventilator seine Tätigkeit.
Auch sonst hat die Entwicklung der modernen Technik mit der Romantik der Schmiede erbarmungslos aufgeräumt. Außer dem Hufbeschlag ist heute fast alles fabrikmäßig in der Schmiede geworden. Nur er bildet noch die alte unverfälschte Kunst, die zu erlernen viele Jahre erfordert. In die Schmiede gehört heute meist auch der Schleifwagenbau und der Bau von Lastkraftwagenanhängern sowie vornehmlich deren Instandsetzung. Die Herstellung von Autofedern hat der Schmied aufgenommen, wie auch sein gesamter Arbeitsprozeß viel mehr auf die moderne Maschine eingestellt ist. Das alte, zunftmäßige Schweißen im Feuer verdrängte mehr und mehr der autogene Sauerstoffapparat, der heute nur einen Mann erfordert, wo einstmals drei notwendig waren.
Wuchtige Maschinen-Krafthämmer ersetzen die großen Vorschlaghämmer in der modernen Schmiede. Daneben steht ein schwarzes Ungetüm mit breiten Handgriffen und riesigen Zahnrädern, eine Stauchmaschine, und durch die bereits geöffnete Tür fällt der Blick draußen im Hof auf eine moderne Reifenbiegemaschine, mit deren Hilfe Reifen kalt gebogen, am Ende dann angewärmt und zusammengeschweißt werden.
Zuweilen kommen in die Schmiede schwere Pferde. Des Schmiedes liebste Arbeit beginnt, für die oft ein besonderer Beschlagschuppen eingerichtet ist. Hier hängen starke Ketten, mit denen die Pferde festgehalten werden. Klobige Böcke stehen umher, auf die der Huf aufgestellt wird, und in der Ecke lagern große Bestände von Hufeisen, meist von dem Schmied selbst hergestellt. Jeder Huf ist anders. Der rechte Schmied kennt sich wie der Schuhmacher in seiner Stammkundschaft genau in den Hufen "seiner" Pferde aus. Sommer- und Wintereisen lagern hier, denn die Wintereisen haben bekanntlich auswechselbare Stollen ("Scharfe"). Jedes Eisen muß warm angepaßt werden und genau der Form des Hufes angeglichen werden, soll der Gaul nicht Schaden leiden.

Man wird nicht fertig, zu sehen und zu staunen in der Schmiede, und der geheimnisvolle Zauber des Feuers, die Poesie des Kraftvollen, Wuchtigen, die über allem liegt, sie erfaßt mit unwiderstehlicher Gewalt auch den Besucher, wie eine Lokomotive mit der Wucht ihrer Ausmaße auf die Menschen wirkt. Denn Kraft und Gewalt atmen Gesundheit.
Neben den Dorfschmieden nehmen die Schmiede, die sich als selbständige Handwerker an den Kreuzungspunkten der alten Handelsverkehrs- und Heeresstraßen ansiedeln, eine wichtige Stellung ein.

Sammlung Matthias Gleisner

So auch in Senftenberg. Dies war im Kampf der nach Osten vordringenden Deutschen als Burg ursprünglich ein befestigtes Bollwerk, eine Warte des Deutschtums und des Christentums. Es war aber als Stadt auch Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen. So bot es von jeher dem Schmied, Stellmacher, Schlosser und Klempner, allen, die mit Hammer und Amboß, mit Feuer und Eisen umzugehen wußten, vielseitige Daseinsmöglichkeiten.
Das Entstehen der ältesten Schmiede in Senftenberg läßt sich natürlich geschichtlich nicht mehr genau festlegen (Siehe Festschrift zum Schmiede-Verbandstag in Senftenberg 1931.) Auch das Alter der Senftenberger Schmiede-Innung ist urkundlich nicht mehr nachweisbar. Die Innungsbücher gehen leider nur bis auf das Jahr 1848 zurück. Alles frühere ist verbrannt. Dies geht aus der ältesten erhaltenen Aufzeichnung, dem ersten Protokoll im „neuen“ Gewerksbuche vom 24.April 1848 hervor. Dort heißt es am Schlusse:
"..., nachdem das noch niederzuschreiben war, daß das Gewerksbuch bei dem Brande in dem Wohnhause des Schmiedemeisters Herrn Friedrich Schmidt (in dem Grundstück Ecke Kreuz- und Ringstraße) in der Nacht vom 19. zum 20. d.M. ein Raub der Flammen geworden ist und mit der Lade zugleich die Innungsartikel und andere darinnen gelegene Papiere mit verbrannt sind.“

Wie vieles hätten die alten Urkunden gewiß zu erzählen gewußt! Aber auch so darf man getrost annehmen, daß die Senftenberger Schmiedeinnung nicht jünger ist, als andere gleich lebenswichtiger Handwerkszweige, die der Herstellung von Gegenständen des täglichen Gebrauchs dienen. Und diese können ihr Alter bis ins Mittelalter des 16.Jahrhunderts zurückverfolgen. Senftenberg war damals ein schlichtes Ackerbürgerstädtchen, dessen Handwerker sich dadurch auszeichneten, daß sie ihren Ehrgeiz und ihren Stolz daran setzten, nur solide, dauerhafte Erzeugnisse aus ihrer Werkstatt hervorgehen zu lassen. Und dieser gesunde Handwerksgeist vererbte sich vom Vater auf den Sohn und Enkel, ging vom Meister auf den Gesellen und Lehrling über. Ja, es war nichts Seltenes, daß der Meister sich im Lehrvertrag ausdrücklicher verpflichtete, "den Lehrling zu allem Guten anzuhalten, und darauf zu sehen, daß er von Zeit zu Zeit und öfters die Kirche besucht."
Aus diesem Holze waren die Männer geschnitten, die das "Gewerk der Schmiede, Schlosser und Stellmacher" hochhielten, das in einem Protokoll vom 24.Juni 1851 genauer als "combiniertes Schmiede-, Schlosser-, Stellmacher- und Nagelschmiedegewerk" bezeichnet ist. Davon ist die Nagelschmiederei infolge der Industrialisierung eingegangen. Der letzte Senftenberger Nagelschmied Jaekel übte bis zu seinem Tode 1886 sein Handwerk auf dem Grundstück Ecke Schloß- und Burglehnstraße aus, also am Rande der Altstadt, wie übergaupt die Schmiedewerkstätten von altersher am Weichbilde der Stadt oder des Ortes zu liegen pflegten, weil das zweckmäßig war.

Die Senftenberger Schmiede und Stellmacher fanden nicht nur in der Stadt selbst ihren Erwerb, sondern hatten ihre Kundschaft in der ganzen näheren und weiteren Umgebung, auch über die Grenzen des Kirchspiels hinaus; so kamen die Leute von Tätzschwitz, Laubusch, Lauta, Großkoschen genau so gut vor die Schmiede nach Senftenberg wie die von Hörlitz, Bückgen, Räschen, Zschipkau, Dörrwalde, Dobristroh. Die Einwohner von Brieske, Niemtsch und Buchwalde, wo bis etwa 1910 eine Schmiede (Mieth) bestand, kommen heute noch nach Senftenberg, wenn sie des Schmiedes "Kunst" bedürfen. Lange Jahrzehnte umfaßte die Senftenberger Innung nicht mehr als sechs Meister. Das war noch vor 80 Jahren so. Von diesen sechs Innungsmeistern waren drei Schmiede, einer Schlosser, einer Stellmacher und ein Nagelschmied. 40 Jahre später zählte die Innung bereits 62 eingeschriebene Meister, darunter solche, die noch am Leben sind, wobei berücksichtigt werden muß, daß sich der Bereich der Innung weit über Senftenberg hinaus erstreckte, z.B. Naundorf bei Ruhland, Zschornegosda und Petershain mit umfaßte. Gegenwärtig gehören 82 Meister zur Schmiedeinnung Senftenberg.
Die Ehrenmitglieder sind August Schönher, Gottlieb Kossatz in Sedlitz und Hermann Mörlin, Gustav Mettcher, Annahütte, Hermann Ziethe sen., Senftenberg, Ehrenobermeister ist Fritz Klaua.
In der alten Innung ging es nicht anders zu als anderswo auch. Das Innungsbrauchtum war überall in deutschen Landen ziemlich dasselbe. Das lag in der Natur des Handwerks. Streng wurde in den Innungsversammlungen auch auf Zucht und Ordnung gehalten.
Uebertreten der Innungsartikel und ungebührliches Benehmen bei geöffneter Lade, sowie Zuspätkommen wurde mit Geldstrafen gebüßt. Streng waren auch die Meister- und Gesellenprüfungen. Als Gesellen- und Meisterstücke wurden natürlich ganz verschiedene Aufgaben gestellt, je nachdem, welcher Profession der Aufzunehmende angehörte, ob er Schmied, Schlosser, Stellmacher oder Nagelschmied war; aber es wurde regelmäßig nur verlangt, was ein zünftiger Meister und Geselle unbedingt können mußte. In einzelnen Fällen kommt es vor, daß, wer besonders tüchtig war, sich sogar freiwillig zu einer Prüfungsarbeit erbot. So hat ein Stellmachergeselle aus Buchwalde, Gottfried Noack, einmal sich verpflichtet, "binnen 4 Wochen einen vierrädrigen Wagen, namentlich aber ein Wagenrad" als Meisterstück vorzuzeigen.
Ehrenobermeister Klaua ist seit 1888 selbständig, er ist Geschäftsnachfolger des Schmiedemeisters Karl Schmidt, der eine gleichfalls sehr alte Schmiede in der Kreuzstraße innehatte.

Senftenberger Anzeiger (1888)

Schmiedemeister Hermann Ziethe sen. blickt auf die von seinem Vater 1873 gegründete, später vergrößerte Schmiede zurück. Die älteste, jetzt noch im Betrieb befindliche Schmiede Senftenbergs ist die von Paul Kula in der „Schmiedestraße“. Jahrzehntelang werkte in ihr der Vater des Inhabers, Hermann Kula, ein biederer Handwerksmeister, der vielen noch in Erinnerung ist. Seine Vorgänger waren die Schmiedemeister Krappe, früher noch Zuchau und bis in das 18. Jahrhundert zurück Schmiedemeister Höhna.
Von ihm stammt vermutlich auch ein alter Blasebalg, der die Jahreszahl 1792 (u.U. 1722) trägt.

Neueres

311 310 309 308 307 306 305 304 303 302 301 300 299 298 297 296 295 ♦ 294 ♦ 293 292 291 290 289 288 287 286 285 284 283 282 281 280 279 278 277 276 275 
345  300  250  200  150  100  50  1  

Älteres