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Älteres

Seit längerer Zeit waren wir schon nicht mehr in Sedlitz. Und dabei habe ich noch die eine oder andere Ansicht aus diesem seit 1997 per Eingemeindung zu Senftenberg gehörenden Dorfes, auf Lager. Ich hatte jedoch auf mehr Unterstützung aus Sedlitz gehofft... Auf die Bereitstellung von Motiven die mir noch fehlen, die aber irgendwo existieren müssen, um diese dann mit den bereits vorrätigen thematisch zusammenzufassen. Aber irgendwie sind die Sedlitzer da stur...

Da ich also weiterhin "vom Durchgebrachten" leben muß wird das heute eine durchwachsene Angelegenheit. Zum x-ten Mal ist die Evangelische Kirche des Ortes zu sehen. Dabei jedoch einmal aus der eher ungewöhnlichen Nordrichtung.

Senftenberg
Photo-Atelier Ernst Wenzel,
Senftenberg, Calauerstr. 13, Tel. 283
Echte Photographie
c 570
Aufnahme <= 1940
Sammlung Theodor Restel
Senftenberg
Ansichtskarten-Verlag Zimmaß,
Erfurt, Neuestr. 12
387
Echte Photographie
Aufnahme <= 19??
Museen OSL

Neben der Kirche sehen wir eine kleine Friedhofsanlage, welche nach meinen Informationen noch bis in das Jahr 1970 bestand. Danach wurden die Gräber eingeebnet und durch die Gemeinde in eine Grünanlage mit Kinderspielplatz ungewandelt. Heutzutage befindet sich an dieser Stelle immer noch gepflegtes Grün. Der Kinderspielplatz existiert dort jedoch nicht mehr.
Aber bereits vor der Aufgabe des Gottesackers in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche, erfolgten die Begräbnisse in Sedlitz auf dem neuen Friedhof am äußersten südlichen Zipfel des Dorfes.

Ein weiterer Sedlitzer Friedhof machte 1934, also in der Drehe der beiden oben abgebildeten Ansichtskarten, von sich reden...

Urnenfund Sedlitz N.-L.

Das Auffinden von Urnen in der Sedlitzer Gemarkung hat weitgehendes Interesse bei der umliegenden Bevölkerung gefunden. Man darf erfreulicherweise annehmen, daß der Sinn für Vorgeschichte im Wachsen begriffen ist. Tagtäglich ist die Fundstelle von Besuchern umrahmt. Auch die Schuljugend wurde auf das immerhin seltene Ereignis aufmerksam gemacht.
Die Vermutung, daß das Vorkommen von prähistorischen Gefäßen in der Nähe der Sedlitzer Straße vor ein paar Jahren ein Fingerzeig für das Dasein eines Urnenfriedhofes bei Sedlitz sei, hat sich bewahrheitet. Die jetzige günstige Zeit des unbestellten Ackerfeldes und die Verwendbarkeit des örtlichen Gemeinde- Arbeitsdienstes erleichterte die Inangriffnahme der Arbeiten. Der Urnenfriedhof liegt dicht an dem alten Wege von Sedlitz nach Senftenberg auf dem Grundstück von Paulick. Viel Dank gebührt unserem Heimatforscher A. Lukas in Sedlitz, der seine Zeit der Sache lieh und die Grabung förderte.
Die Urnen - es sind bisher 21 geborgen - liegen ein halb Meter unter der Erdoberfläche. Sie gehören dem Lausitzer Typus an, ein Name, den Virchow geprägt hat. Damit ist zugleich das Zentrum und die Hauptfundstätte bezeichnet. Zahlreiche Beigaben lehnen sich im Kreise um die Aschenurne an, darunter prachtvolle Buckelurnen, im allgemeinen Urnen mit abgerundeten, weichen Formen aus der Blütezeit des Lausitzer Typus. Was jeden schönheitsempfindenden Menschen an diesen Resten der Lausitzer Kultur fesselt, ist die in ihrer Formgebung wie Ausführung gleichartig vorzügliche Keramik. Es ist aller Grund vorhanden, diese formschöne Tonware als das Gerät anzusehen, das im täglichen Leben gebraucht wurde.
Eine bisher in unserer Gegend nicht beobachtete Erscheinung sind die Steinpackungen um das Grab. Flache, aufrecht stehende Granitsteine umstehen es schützend, bedecken vorsorglich seine Oeffnung.

Naturgetreu erhalten sind zwei Urnengräber (Aschenurne, umgeben von Beigefäßen, Steindeckel, Steinsetzung), durch A. Lukas in ihrem Fundament von einem Zementsockel gefaßt und so dem Zerfall entrissen. Sie werden ein seltenes Objekt in der vorgeschichtlichen Abteilung unseres Heimatmuseums sein.
Eigentümlich sind zwei Steinsetzungen, die kein Gefäß umschließen. Dann wieder finden sich Einzelurnen, einsam und allein stehend. Ob schon in damaliger Zeit ein Unterschied der Volksschichten üblich war?
Eine etwa 2 Meter lange und 1 Meter breite ebene, festgestampfte Fläche, unter der eine etwa 30 Zentimeter dicke Aschen- und Holzkohleschicht lag, wurde ebenfalls freigelegt und kann als Leichenverbrennungsstätte oder Ustrine angesehen werden.
Heute fand man bei Untersuchen des Inhalts einer Aschenurne 2 Bronzenadeln, 1 Bronzeperle, geschmolzene Bronzestücke und ein 15 Millimeter langes und 5 Millimeter breites Stück Goldblech, ein Beweis, daß sich Handelsbeziehungen ferner Länder bis in unsere Lausitzer Heimat erstreckt haben. Die Grabung wird fortgesetzt.

O. Mingau in "Aus der Heimat. Für die Heimat."
Beilage des "Senftenberger Anzeiger" - 8. Jahrg. Nr.2, 31.Januar 1934

Skelettfunde in Sedlitz

Das durch die eigenartigen Urnenfunde noch in bestem Andenken stehende Dorf Sedlitz - es sei an die Gräber mit Steinpackungen erinnert - ist wieder mit einer Seltenheit in den Vordergrund getreten.
Landwirt A. Lukas hielt mit freundlicher Unterstützung von Gemeindevorsteher Kläuschen (durch den örtlichen Arbeitsdienst) Nachgrabungen an einer Stelle nördlich der alten Schule, wo schon bei früherem Hausbau Skelette gefunden waren. Es wurden neuerdings 3 vollständige menschliche Gerippe aufgedeckt. Richtungslage Nordost - Südwest. Die Leichen sind s. Zt. ohne Sarg 1 Meter tief in die Erde gebettet worden. Die Bestattung kann nur in einer leichten Stoffhülle erfolgt sein, da die Gebeine unmittelbar von Sand umschlossen waren. Ein kleiner Flocken grünlicher Wolle, die bei einer 1,70 Meter langen Leiche lag, läßt wohl den Schluß auf eine weibliche Person zu. Der bei allen 3 Ausgrabungen weit geöffnete Mund der Toten ist zweifellos auf Bodendruck zurückzuführen. Eigentümlich ist, daß bei den Begrabenen teils der rechte, teils der linke Unterarm fehlen und der Stumpf deutlich zu erkennen ist. Welche Erklärung für diesen mittelalterlichen Brauch? Eine beiderseitig scharf glasierte Topfscherbe ist Anhalt für ungefähre Zeitbestimmung.

Die Ansicht, daß es sich um Kriegsbestattungen handele, ist nicht zutreffend, weil sie in ihrer durch die Not der Zeit gebotenen flüchtigen Art sofort herauszukennen wären. Dr. Frenzel spricht von ähnlichen Bestattungen, die mit der Einführung der Reformation in Zusammenhang stehen, indem damals den katholisch verbliebenen Dorfbewohnern die Bestattung auf einem protestantisch gewordenen Kirchhof nicht zusagte und sie ihre letzte Ruhestätte selbst wählten. Am nächsten kommen wir in diesem Falle wohl der Wahrheit, wenn wir die Beerdigten als Pestleichen ansehen. Als in den Jahren 1567, 1571, 1630-1632 in Senftenberg und Umgegend die furchtbare Seuche herrschte, durften die nach unserer Stadt eingepfarrten Ortschaften ihre Toten nicht wie bisher auf dem hiesigen Gottesacker begraben. Jeder Ort legte deshalb einen eigenen Pestfriedhof an, wo die an der ansteckenden Krankheit Verschiedenen beerdigt werden mußten.
So lüftet die heimische Erde von Zeit zu Zeit ein wenig den Schleier des Geheimnisses vergangener Zeiten, um ihn bald wieder zuzuziehen.

O. Mingau in "Senftenberger Anzeiger" - 7.Mai 1934

Wie kriege ich jetzt die Kurve zur dritten Ansichtskarte? Am besten versuche ich es erst gar nicht, denn das Motiv ist inhaltlich, besonders aber zeitlich von anderem Kaliber...

Senftenberg
Winkler & Voigt, Leipzig
Nr. 32/L/59
III/18/2-11934 T 176/59 Nr. 22458
Aufnahme <= 19??
Sammlung Matthias Gleisner
Die Verwendung der Bezeichnung "Poliklinik" lässt eigentlich nur den Schluß zu, daß es sich um eine DDR-Produktion handelt. Ich vermute, daß die "59" in den rückseitigen Angaben ein Verweis auf das Produktionsjahr 1959 ist. Womit das Stück noch knapp unter meine zeitliche Obergrenze fällt.

Eine Gemeinsamkeit zwischen der Nordansicht der Kirche und dem Poliklinik-Motiv besteht indes: Die Fotografen beider Aufnahmen müssen sich an fast derselben Stelle befunden haben.

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