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18.06.2023
1 Kommentar

Der "Wochenkurier" informierte uns in seiner Ausgabe vom 7. Juni, daß sie nun endlich erschienen ist: die Buchchronik zum Seejubiläum... inklusive der "Bezugsstellen".
Ich hatte ja an dieser Stelle vor drei Wochen diesbezügliche Informationsdefizite signalisiert aber gleichzeitig auch angekündigt, daß, wenn es positive Nachrichten gibt, diese meinerseits zu verkünden.

Wie fang ich's an? Ich schaute mir vor einigen Tagen die Ausstellung zum 50-jährigen Jubiläum unseres Senftenberger Sees in den Räumlichkeiten des Senftenberger Rathauses an. Knapp 20 Wechselrahmen im A2-Format mit eingehangenen Postern, dazu eine mickrige Vitrine mit ein paar 3D-Objekten (die obligatorischen Zierbriketts durften natürlich nicht fehlen). Alles in allem aus meiner Sicht enttäuschend. Im Grunde Marketing-Design auf Hochglanz-Drucken mit wenig Inhalt. Zumindest für diejenigen, die damals dabei waren und vielleicht auch die Entwicklung des Erholungsgebietes in den Anfangsjahren rege verfolgt haben. Fazit: man hat als Einheimischer nichts verpasst, wenn man die Exposition nicht gesehen hat.

In gleicher Aufmachung, also dem aktuellen "corporate design" des Zweckverbandes kommt nun besagte Chronik daher. Unter dem Titel "Im Wandel der Zeit - 50 Jahre Senftenberger See", im Hardcover-Einband wird dem Leser auf genau(!) 50 Seiten so ein bisschen die Entwicklung dargeboten. Mehrheitlich sehr guter Druck, viele Fotos, eine Reihe von Statements unterschiedlicher Protagonisten. Alles in allem für meinen Geschmack aber wieder mehr Marketing und Imagebroschüre als tatsächliche "Chronik". Zwar hangelt sich die Publikation weitestgehend chronologisch durch die 50 Jahre, beginnt sogar weit früher, aber irgendwie bleibt das alles ziemlich oberflächlich. Und im Detail ist es teilweise auch falsch...

"Im Wandel der Zeit - 50 Jahre Senftenberger See"
2023
Autor/Herausgeber: nicht angegeben
50 Seiten, Hardcover
12,50 €
Von mir sind auch 5 "Arbeiten" enthalten, bei denen ich mich schon damals, als ich im September des vorigen Jahres angesprochen wurde, fragte, wie man den Bogen zu diesen Grafiken schlagen möchte. Und ehrlich, ich sehe es im fertigen Produkt immer noch nicht...
Wer für die Auswahl der Fotos, die Bildunterschriften und Texte verantwortlich war, wird dem Leser vorenthalten. Ich hatte damals Kontakt mit der Z&Z Agentur Dresden, die beauftragt worden war, die "Broschüre" (O-Ton Z&Z) zu erstellen. Eigentlich hätte ich erwartet, daß vor Drucklegung ein Korrekturlesen von ein paar "Wissenden" durchgeführt wird. Tat man vielleicht. Jedoch nicht mir mir. Und deshalb sind da nun ein paar Patzer für alle Ewigkeit fixiert worden. Während die Ansicht vom alten Senftenberger Bahnhof (was hat die überhaupt da zu suchen?) durch das "vor" in der Unterschrift vor oder um 1914 nicht ganz falsch ist (korrekt müsste es "vor 1902" lauten) handelt es sich bei der "Senftenberger Krone Briketts"-Vignette eben nicht um eine Briefmarke. Eine Zeichnung des Senftenberger Schlosses wird auf 1580 datiert ohne daß es dafür jemals irgendwelche Beweise gab. Nun gut, das sind so Sachen, die wahrscheinlich nur mir auffallen. Aber ein Foto mit der Förderbrücke im Tagebau Niemtsch auf 1938 zu datieren, wo der Aufbau der selbigen 1944 begann und sie erst 5 Jahre später überhaupt in Betrieb ging? Hier sollten sich eigentlich noch ein paar andere Leute vor die Stirn klatschen.
Na gut, es ist ja nicht das erste und wird auch nicht das letzte Mal sein, wo man glaubt, auf externe Expertise verzichten zu können. Und auch wenn es etwas "krümelkackrig" rüberkommt; gewisse Dinge müssen einfach nicht mehr sein. Nicht in 2023!

Bevor ich aber zum eigentlichen Thema komme, möchte ich noch auf eine dritte Sache hinweisen, die im Zusammenhang mit dem 50. Geburtstag unseres Sees steht. Nämlich eine 15-minütige Filmdokumentation, die ziemlich gut gemacht ist. Und, was mich ganz besonders triggert: historische Filmsequenzen enthält, die ich bislang noch nicht kannte.
Ich habe sicherheitshalber den Film vom youtube-Kanal unseres Regionalsenders seenluft24 heruntergeladen um ihn selbst zu hosten. Man weiß ja nie, wie lange der Streifen dort verbleibt.

Ich hätte mir gewünscht, daß man für die Ausstellung im Senftenberger Rathaus die Macher dieses Films hinzugezogen hätte. Sicher wäre im Ergebnis etwas sehr viel lebendigeres entstanden als das was man dort geboten bekommt. Wir leben im 21. Jahrhundert und sollten nach Möglichkeit alle verfügbaren Medien und Technologien vernetzen um dem Besucher ein ansprechendes Gesamterlebnis zu präsentieren. Aber auf mich hört ja sowieso keiner!

Buch/Regie: Michael Feldmann
Dramaturgie: Martin Hanschick
Kamera: Kevin Klose, Oliver Beyer, Norbert Mannigel, Tayron Noack
Schnitt: Kevin Klose, Oliver Beyer

Entstanden ist der Film in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg und dem Koschener Dorfclub e.V.

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg.

Aber gut. Das wollte ich eigentlich alles gar nicht erzählen... ist rein aus Gründen der Aktualität passiert.
Wir drehen jetzt mal ganz schnell die Uhr um mindestens 95 Jahre zurück. Im ersten Fall sogar um 110!
Es ist nicht das erste Mal, daß ich eine Ansichtskarte mit einem Gruß aus Domaschke's Restaurant präsentiere. Und alle bisherigen Vorkommen ähneln stark dem heutigen Exemplar. Und doch erhalten wir diesmal eine weitere Detailabbildung, die wir bislang noch nicht hatten.

Senftenberg Senftenberg Senftenberg

Ich behaupte, daß sämtliche bekannten Detailabbildungen (bislang 5) bei einundderselben Gelegenheit geschossen wurden. Im heutigen Fall machte man sich tatsächlich die Mühe, diese mit Blumen (sicherlich Kunstblumen) drapierten Raumteiler durch den Schankraum zu schirgen und an anderer Stelle zu platzieren. Damit fabrizierte man eine kleine aber feine Variante. Der Ansichtskartensammler freut sich!
Es existiert übrigens noch eine weitere Version: die colorierte, und marginal umgestaltete, Fassung der rechten Schwarz-weiss-Karte. Das Ding befindet sich seit Ewigkeiten auf meiner Suchliste.

Senftenberg
16826
Orig. Aufnahme v. E.Hornuff,
Dresden 18.
Aufnahme <= 1912
Sammlung Matthias Gleisner
Wir bleiben bei Domaschke. Nur um einiges später. Wie man sehen kann: die Fassade hat eine kleine Änderung hinsichtlich der Beschriftung erfahren und man installierte zwischenzeitlich einen Fahnenmast an der Wand. Was konstant geblieben ist? Der Prinzipal Carl Domaschke. Zwar sichtlich gealtert aber von der ganzen Anmutung her immer noch "der alte".
Und die Tischdecken! Das war halt noch Qualität. Bestimmt "Friedensware".

Aus welchem Jahr genau die Ansichtskarte stammt ist unbestimmt. Das angegebene 1928 halte ich für ziemlich plausibel.

Senftenberger Anzeiger (November 1928)
Senftenberg
Photographie W.Theinert, Bahnhofstraße 36,
Telefon 466
4908
Aufnahme <= 1928
Sammlung Matthias Gleisner
In der Eigenwerbung schrieb Carl Domaschke gerne vom "ältesten Konzerthaus und Kabarett am Platze". Kann gut sein. Konkurrenz gab es trotzdem in Hülle und Fülle. In direkter Nachbarschaft in der Kreuzstraße und erst recht auf dem Markt, der ja auch nur "3 mal umfallen" weit entfernt war.
Und auf genau den führt uns das dritte und letzte Stück für heute. Ebenfalls maximal aus dem Jahr 1928 ist uns dieses Motiv schon seit längerem bekannt. Die Fotovariante davon kommt natürlich in sehr viel besserer Qualtität daher als diese Druckversion. Und doch birgt das heutige Stück einen kleinen Informationsvorsprung. Der Bildausschnitt ist hier nämlich links, rechts und vor allem unten deutlich weiter gefasst. Endlich bekommen wir eine Ahnung, worum es sich bei dem Fragment am unteren Bildrand der Fotoversion handelt...

Senftenberg

Senftenberg
8303
Gebr. Grubann, Senftenberg, N.-L.
Aufnahme <= 1928
Sammlung Matthias Gleisner