Senftenberger Anzeiger (11. Januar 1934)
Die Ansichtskarte selbst ist auch nicht unbearbeitet. Einige der Manipulationen habe
ich digital "verfeinert", so daß sie jemandem, dem das Original unbekannt ist, nicht
auffallen.
Die zeitliche Bestimmung der Ansicht ist etwas schwierig da meine Ansichtskarte postalisch nicht gelaufen ist. Klar ist, daß es vor Januar 1934 gewesen sein muß.
Doch ich lehne mich mal etwas weiter heraus, indem ich behaupte, daß es spätestens 1925 war als die Fotografie
entstand. Das untere Ende ist eigentlich gesetzt denn Steffen Kober schrieb im "Kippensand 2023",
daß der MTV im Februar 1924 einen Bauantrag zur Errichtung eines (dieses!) Vereinshauses stellte. Ob die
im "Kippensand" verwendete Zeichnung, die nach einer Lichtpause aussieht, aus jenem Bauantrag stammt,
geht aus dem Beitrag nicht hervor. Möglich wäre es.
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Im Januar 1934 erschien im Senftenberger Anzeiger der links abgebildete
ganzseitige Beitrag. Der Anlaß kommt in der Überschrift eigentlich ganz gut zum Ausdruck: es ging vorrangig um den
50. Jahrestag der Gründung des Männer-Turn-Vereins (M.T.V.) Senftenberg.
Der Zeitungstext, der neben einer Reihe von Informationen, die über das "Große und Ganze" hinausgehen und konkrete
Fakten zur Entwicklung in Senftenberg liefert, erzeugte allein aufgrund der darin verwendeten Abbildung eine enorme
Anziehungskraft auf mich.
Werner Forkert offerierte in seinem 1. Buch "Senftenberger Rückblicke" eine sehr ähnliche Abbildung. Wie ich heute
weiß, stibitzte er sich diese aus Hans Langes Senftenberg-Chronik und da Lange in den 1970ern textlich keinen historischen
Zusammenhang herstellte, war die Sache für Forkert anno 2006 offenbar auch erledigt und keine eigenen Recherchen wert.
Knapp 20 Jahre später ist es nun so weit und ich kann die, den beiden Abbildungen (Senftenberger Anzeiger, Forkert)
zugrundeliegende, Ansichtskarte vorstellen. Individuelle Beschädigungen am Original beweisen, daß es sich hierbei um genau
jenes handelt, das Lange damals verwendete und hernach von Forkert kopiert wurde.
Photogr. u. Verlag Franz Kachel, Senftenberg. Tel. 466 Groß-Räschen. Tel. 65 Aufnahme <= 1925 Sammlung Matthias Gleisner
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Mit der Kober'schen Information machte ich mich daran, den Senftenberger Anzeiger nach Meldungen
zu flöhen, die die weitere Entwicklung helfen zu dokumentieren. Dies war mühselig und auch eher semi-erfolgreich. Was konnte ich ermitteln?
So verlautet es aus einer Stadtverordnetenversammlung
vom 25. Februar 1924:... Der Männerturnverein hat seinen Sportplatz zwischen Briesker Straße
und Eisenbahndamm fertiggestellt und plant die Errichtung eines Gebäudes für die Zwecke des Vereins. Er bittet in
einer Eingabe um Verlängerung der Pachtzeit. Der Magistrat hat beschlossen, unter gewissen Bedingungen, z.B. unentgeltliche
Ueberlassung des Platzes zu Turn- und Sportübungen der Schulen, das Pachtverhältnis bis zum Jahre 1941 auszudehnen. ...
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Danach herrschte erst einmal Funkstille bis dann am 31. Mai des Jahres folgende Passage auftauchte:
Gauturnfest 1924. Jeder Einwohner unserer Stadt hat sicher mit Interesse das Entstehen des Turnplatzes vom Männerturnverein an der Briesker Str.
verfolgt. Mit großer Beschleunigung eilen die Arbeiten ihrem Ende entgegen, soll doch vom 14. bis 16. Juni das Gauturnfest darauf abgehalten werden. ...
Das angesprochene "Gauturnfest" fand tatsächlich an jenem Juni-Wochenende 1924 statt. Damit einher ging die Platzweihe und die Feier zum 40jährigen
Bestehen des Männerturnvereins Senftenberg. Leider ist keine Rede vom Vereinshaus. Man sollte jedoch annehmen, daß man seitens des Vereins alle Hebel
in Bewegung setzte, um sicher zu stellen daß das Gebäude zum Festwochenende vollendet sei. Allein der Nachweis fehlt.
Das Turnfest litt übrigens unter widrigen Witterungsbedingungen... es regnete in Strömen. Laut Senftenberger Anzeiger liessen sich die Sportler
davon aber nicht entmutigen. Leider findet sich in der Berichterstattung nicht einmal der leiseste Hinweis auf das Vereinsgebäude. Können wir es jetzt
so stehen lassen, daß der Bau im Juni 1924 stand? Schwierig! Ich lasse das mal bis auf weiteres offen und hoffe auf einen zukünftigen Zufallsfund, der die Sache
erhellt. An meiner Einschätzung hinsichtlich des Alters der Ansichtskarte ändert das aber erst einmal nichts.
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