Aus gegebenem Anlass ein Hinweis in eigener Sache. Anfragen bzgl. Bild- und/oder Hintergrundrecherchen bitte nach
Möglichkeit (ggf. parallel) per eMail admin@senftenberg.info an mich
richten, bzw. eine eMail-Adresse nennen. Ich beschäftige mich zwar mehrheitlich mit Objekten der klassischen Post
bin aber technisch im 21. Jahrhundert verankert. Mit Hilfe der heute gängigen Arbeitsmittel bin ich in der Lage
besser und schneller zu reagieren und gleichzeitig die Deutsche Post nicht noch reicher zu machen. Auch lassen sich
auf diesem Wege Dokumente viel unkomplizierter austauschen. Eine Ausnahme ist natürlich, wenn mir jemand Originaldokumente
zukommen lassen möchte. Vielen Dank für das Verständnis.
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Die erste (bekannte) urkundliche Erwähnung der Hammermühle kann auf das Jahr 1408 datiert werden. Bei besagter Urkunde
handelt es sich um den "Zinßbrief Hans von Polenz", in welchem die Hammermühle am Weg nach Großkoschen Erwähnung findet. Die ersten Spuren der Hammermühle auf einer Landkarte, die mir bekannt sind, findet man auf dem sogenannten "Ur-Oeder". Matthias Oeder war ein kursächsischer Markscheider, Landvermesser und Kartograf. Die "Ur-Oeder-Karten" entstanden im Massstab 1.13333 ⅓ bis 1607. Sie stellten eine eher skizzenhafte Version dar, übetrafen jedoch alle bis dahin in Deutschland existierenden Karten. Oeder selbst arbeitete an dem Werk bis zu seinem Tod 1614 während der Regierungszeit von Johann Georg I. Sein noch unvollendetes Werk wurde von seinem Neffen und Nachfolger Balthasar Zimmermann im viertel so großen Maßstab 1:53.333 ⅓ ("Oeder-Zimmermann") als ausgearbeitete Version fortgesetzt, bis es inmitten des Dreißigjährigen Kriegs und durch den Tod Zimmermanns 1633 oder 1634 zu einem Ende kam. Bei dieser Ausarbeitung kam es zu diversen Abweichungen zum Ur-Oeder, aus den verschiedensten Gründen. (Quelle: wikipedia) Nachfolgend ist ein Ausschnitt aus genannter Nachbearbeitung durch Zimmermann zu sehen. Man erkennt den Schriftzug Die Hammermül ist Caspar vonn Zeschen z.gey, was wahrscheinlich auf die damals herrschenden Besitzverhältnisse abstellt. Wer bezüglich der Karte Schwierigkeiten hat... ja hier "steht die Welt Kopf". Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden Kartenbilder nämlich nicht nur genordet sondern teilweise auch nach Süden ausgerichtet, also gesüdet. Ein Verfahren welches übrigens in Australien noch heute die Standardvariante ist. Letztlich handelt es sich aber nur um eine verdrehte Beschriftung. Man müsste die Karte ja nur wenden um wieder die für uns gewohnte Orientierung zu bekommen. ![]() Oeder-Zimmermann-Karte, 1:53.333 ⅓, Handzeichnung, um 1614-1634 |
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Laut der Chronik "Historische Einblicke - Großkoschen 1408-2008" handelte es sich bei der Hammermühle ursprünglich um ein Eisenhammerwerk,
in welchem Raseneisenerz zerkleinert wurde. Dies schliesst man aus Eisenschlacke und Hüttengerät die bei Umbauarbeiten an der Mühle gefunden
wurden. Hans von Polenz veranlasste den Umbau in eine Mahlmühle. Über die Eigentümer bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts gibt es nur vage Vermutungen.
Von da an gehörte das Mühlengut dem adligen Geschlecht derer von Zeschen (siehe Oeder-Karte). Im Jahr 1689 hinterlässt nach seinem Tode der
damalige Bürgermeister Abraham Jerisch von Senftenberg die Mühle seinen Erben. Selbige verkaufen die Immobilie mit sämtlichen Inventar kurz darauf
an den damaligen Amtsmühlenpächter Hanns Kaspar Leopolden. 3 Jahre später wechselt das Anwesen erneut den Eigentümer. Nunmehr ist Amalie von Köckritz
Eigentümerin. In den folgenden Jahren geht das Gut noch so durch manche Hände. Genaueres ist in oben genannter Chronik nachzulesen. Zwischenzeitlich brannte die Mühle fast vollständig nieder. Die Chronik der Stadt und des Amtes Senftenberg von Büttner führt hierzu aus: Am 10.April 1729 wurde die Totzigmühle ein Raub der Flammen , und am 15.Octbr. 1776 früh um 6 Uhr die Hammermühle bei Großkoschen. Mindestens aus diesem Grund ist es höchst unwahrscheinlich, dass auf nachfolgenden Ansichten irgend etwas an den Originalzustand der Baulichkeiten erinnert... |
![]() Senftenberger Anzeiger (1947) |
Ich stütze mich dabei auf links abgebildeten Aufruf aus dem Senftenberger Anzeiger
des Jahres 1947 in welchem explizit von einem Erholungsheim die Rede ist. Zweitens finde ich es komisch, dass in der Chronik mit keiner Silbe darauf eingegangen wird, dass die Installation eines Erholungsheimes für Kinder bereits im Jahr 1931 durch die Stadt Senftenberg vorgenommen wurde. Unwissen oder bewusstes Verschweigen? Dass man derartige positive Beispiele zu DDR-Zeiten gern einmal unter den Teppich kehrte und/oder sie so darstellte als ob sie alleinig auf dem Mist des Sozialismus gewachsen sind... geschenkt! Aber 2008? Fakt ist, dass die Entscheidung, eine alte Scheune auf dem Hammermühlen-Anwesen auszubauen, um diese als Kindererholungsheim zu nutzen, bereits weit vor dem Zweiten Weltkrieg durch die Stadtväter getroffen wurde. |
![]() Kindererholung in der Hammermühle (1930er Jahre)
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Im Juni begann man mit den Arbeiten und Ende Juli konnten schon die ersten Kinder die Einrichtung nutzen. Für den ersten Aufenthalt waren 50 bedürftige Kinder
von Erwerbslosen vorgesehen. Der Senftenberger Anzeiger dazu: Örtliche Erholungsfürsorge Die 1. Kur im neu hergerichteten Tageserholungsheim Hammermühle beginnt am 27.Juli und dauert bis zum 22. August d.J. Die Kinder werden wie früher, morgens um 8 bzw. 8¾ Uhr durch den Stadtomnibus zum Heim befördert und um 6 bzw. 7 Uhr wieder zurückgebracht. Von der Erhebung eines Kurkostenbeitrages ist abgesehen, da die Eltern der ärztlich für dringend erholungsbedürftig erklärten Kinder, wie bereits berichtet, fast ausschließlich arbeitslos oder Kurzarbeiter sind. Eröffnung der Tageserholung Hammermühle Gestern wurde das Tageserholungsheim Hammermühle, nachdem es baulich für diesen besonderen Zweck hergerichtet worden ist, erstmalig von 50 Kindern zu einer vierwöchigen Kur aufgesucht. Da, wo bisher eine Scheune stand, ist eine geräumige Halle mit anschließender Küche und Vorratsraum entstanden, mit großen weiten Fenstern und Türen, die eine reichliche Luft- und Lichtzufuhr gewährleisten. 50 Lagerstätten sind in der geräumigen Halle aufgestellt. Sie können bei schönem Wetter auch im Freien benutzt werden. Die Halle dient bei ungünstigem Wetter zur Liegekur und als Aufenthalts- bzw. Spielraum. Während für die Ueberwachung und Bewegung der kleinen Kurgäste eine Hortnerin tätig ist, wird die Verpflegung und die Verrichtung aller Arbeiten von Frauen der Arbeiter-Wohlfahrt unentgeltlich geleistet. Ich verrate keine grossen Geheimnisse wenn ich schreibe, dass in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre das Heim natürlich vorrangig von den Kinder- und Jugendorganisationen der Nationalsozialisten (Pimpfe, Hitlerjugend, Bund deutscher Mädel) und auch zur Wehrerziehung der Jugendlichen genutzt wurde. |