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Nachdem ich in der vergangenen Woche verstärkt musikalisch unterwegs war, steht die aktuelle Woche unter dem Stichwort "Schule".
Zwei Dinge sind nämlich so gut wie sicher: Wenn Postkarten aus Hörlitz (Dorf) - dann Mehrbildkarten und wenn Mehrbildkarten, dann ist mit
sehr großer Wahrscheinlichkeit eine Abbildung der Schule dabei...
Wappen von Hörlitz (1936)
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Die Gemeinde Hörlitz ist eine der ältesten des Kreises. Sie besteht
aus dem eigentlichen Dorf und dem Ortsteil Hörlitz-Flur und ist,
ihrer Lage entsprechend, mit der Stadt Senftenberg eng verbunden.
Nach den bisherigen Forschungen kann Hörlitz auf eine viele
Jahrhunderte alte Vergangenheit zurückblicken. Leider wird der
Ortsteil Hörlitz-Dorf, der noch vor 50 Jahren weit über den Kreis
Calau durch den herrlichen Skyroteich und den alljährlichen
Fischfang bekannt und ein von Ausflüglern gern besuchtes Ziel war,
in einigen Jahren dem Bergbau weichen müssen. Die Bauern betrieben
auch Weinbau; die Erinnerung an die Weinlese sind noch heute bei
alten Einwohnern wach. Die Gemarkung Hörlitz hat einen Flächeninhalt
von 1142 Hektar, der Ort zählte vor etwa 50 Jahren nur rund 400
Einwohner mit 32 Bauernstellen; zu den Bauernhöfen gehörten große
Ländereien. Der Boden war sehr ertragreich. Als aber gegen Ende des
vorigen Jahrhunderts der Braunkohlenbergbau einzog, war die Zeit der
Weinbergbauern vorbei.
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Papyruswerk Kötzschenbroda. Nachdruck verboten 1915 14834 Aufnahme <=1915 Sammlung Matthias Gleisner
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Günther Heydecke, Senftenberg, L. Bahnhofstr. 36 3472 Aufnahme <= 1938 Sammlung Matthias Gleisner
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Ihre Berge mußten zuerst der neuen Zeit weichen. Mit der Auskohlung begannen die Hörlitzer Werke; es folgten die Niederlausitzer
Kohlenwerke und die Ilse Bergbau AG. und die Senftenberger Kohlenwerke. Heute sind es die Niederlausitzer Kohlenwerke und die
Ilse Bergbau AG., die den Abbau noch in vollem Umfange betreiben. in einigen Jahren werden die letzten bäuerlichen Grundstücke des
Dorfes verschwunden sein. dann wird eine große Sandwüste von dem lieben alten Dorf übrigbleiben; wir hoffen, daß nach dem Abbau der
Kohle aus den Gemarkungen ein neues Dorf Hörlitz erwachsen möge. Freilich wird dieser Wunsch, der alle Hörlitzer beseelt, nur in
Erfüllung gehen, wenn die Oedländereien mit Mutterboden bedeckt und der landwirtschaftlichen Nutzung zurückgeführt werden.
Heute wohnen in dem Dorf 574, in dem Ortsteil Flur 1295 Einwohner. In der Hörlitzer Flur sind genügend Baugrundstücke; möge daher
bei dem bevorstehenden Abbruch des alten Dorfes und der Umsiedlung der Dorfeinwohner, - einer Aufgabe des Bergbaues, - an das Wohl
der Gemeinde gedacht werden.
In den letzten Jahren sind die Straßen des Ortsteiles Flur befestigt und in einen guten Zustand versetzt worden; der künftigen
Besiedelung der Hörlitzer Flur sind also gute Voraussetzungen geschaffen. Mit dem Abbruch des Dorfes wird auch die Schule fallen und
ein Haus, in dem während seines Feldzuges in den Lausitzen, Friedrich der Große Quartier nahm.
Senftenberger Anzeiger (1937)
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Soweit der von mir in Gänze wiedergegebene Beitrag aus dem Buch
Der Kreis Calau - Ein Heimatbuch des Kreises für das Jahr 1937.
Dieses Werk ist übrigens neben den beiden Ilse-Chroniken das bild- und
textlich am meisten "gefledderte" Buch im Bezug auf heimatgeschichtliche
Publikationen unserer Gegend. Viele werden es deshalb in der einen oder
anderen Weise kennen. Weniger bekannt ist, dass es auch in den Jahren
1938, 1939 und 1940 Heimatbücher gab. War das 1937er Buch noch ein 250
Seiten starker und gebundener Hochglanzband, wurden die nachfolgenden
Jahrgänge immer dünner und weniger luxuriös. Das 1940er Buch ist im
Vergleich letztlich nur noch ein Paperback-Heftchen. Während die späteren
Ausgaben quasi vollständig vom Markt verschwunden sind, kann man die
1937er Ausgabe heute noch im antiquarischen Buchhandel erwerben. Bislang
scheute ich jedoch die finanzielle Ausgabe. Für das preiswerteste Exemplar,
muss man derzeit stolze 130 Euro hinlegen. Bei Erscheinen des Buches
kostete es vergleichsweise lächerliche 6 Reichsmark...
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Doch zurück zum eigentlichen Thema. Der Verfasser obigen Beitrags wies darin auf den drohenden Abbruch des Dorfes inklusive
des Schulgebäudes hin. So kam es letztlich dann auch. Als Ersatz für das alte Schulgebäude, welches weiter oben mehrfach zu sehen ist,
wurde im Ortsteil Hörlitz-Flur ein neues Schulhaus errichtet. Der Senftenberger Anzeiger berichtete bzgl. seiner Einweihung
ausführlich. Ich gebe im folgenden den Text nur auszugsweise wieder und illustriere ihn mit zwei Fotografien, die in der zeitlichen
Drehe bzw. exakt am Tag der Einweihungszeremonie gemacht wurden.
Der Schuljugend neues Heim
Mit dem Beginn der Sommerferien hat
die alte Schule in Hörlitz-Dorf ihre
Pforten für immer geschlossen. Im Jahre
1910/11 durch die Firma A.Schneider,
Senftenberg erbaut, fällt sie nun auch,
wie das ganze Dorf Hörlitz, der Industrie
zum Opfer, und mit dem Wiederbeginn des
Unterrichts wird nun die neue Schule in
Hörlitz-Flur bezogen.
Es ist bereits die fünfte Schule im Dorfe,
nachdem außer der ältesten die beiden
anderen Gebäude wegen zunehmender Kinderzahl
einem neuen Gebäude Platz machen mußten.
Nach längeren Verhandlungen mit der Ilse-Bergbau-AG.,
der Regierung, dem Hochbauamt Luckau und
Vertretern der Senftenberger und Niederlausitzer
Kohlenwerke wurde, nachdem der zuerst in
Aussicht genommene Platz im oberen Teil der
Schipkauer Straße vom Bergbau nicht freigegeben,
endlich durch Austausch, der jetzige Platz
der Gemeinde zur Verfügung gestellt, sodaß
im vorigen Jahr am 23. Mai der erste Spatenstich,
am 9. Juli der Grundstein gelegt und am 14. Oktober
das Richtefest gefeiert werden konnte.
Wenn nun das Gebäude etwas später als sonst
üblich, fertiggestellt wurde, so hat das
seine Grund in der Verzögerung der Belieferung
mit Baumaterialien und infolge Mangels an
Arbeitskräften.
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Aufnahme = 1939 Sammlung Harald Gleisner
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Am heutigen Tage um die Mittagsstunde war
der große Augenblick gekommen, an dem das
neue Schulgebäude seine Weihe erhielt.
Stattlich und festgefügt steht das neue
Haus, wie unsere Abbildung zeigt, da.
Es ist im wesentlichen das Ergebnis
heimischer Handwerksarbeit und heimischen
Handwerksfleißes.
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Das neue Schulgebäude wirkt in der geschlossenen
Linienführung seines Aeußeren straff und doch
belebt in einem. Der Haupteingang, dessen
Tür die Prüfungsarbeit eines jungen Meisters
ist, bietet sich als repräsentatives Merkmal
des Ganzen dar. Die innere Austattung entspricht
allen neuzeitlichen Erfordernissen.
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Das neue Schulgebäude, weit sichtbar durch den
freundlichen, hellen Anstrich, dem roten Ziegeldach
und einer elektrischen Uhr, liegt an der Kreuzstraße,
mit dem Schulhof dem Friedhof gegenüber. Bequeme
breite Treppen, mit einem Eisengeländer versehen,
führen nach oben. Zur Sicherheit der Kinder ist
das Gebäude mit einem Blitzableiter versehen,
wurde doch das alte Gebäude im August vorigen
Jahres bei einem Unwetter von einem Blitz getroffen,
glücklicherweise ohne zu zünden.
In zwei Stockwerken sind acht helle Klassenräume,
davon zwei für Lichtspiele, Musik und Versammlungen,
eingerichtet mit modernen Sitzgelegenheiten.
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Die Feier, auf dem mit den Fahnen der Bewegung geschmückten Vorplatz stand im Zeichen der jungen Generation,
der Jugend, der das Haus gewidmet ist. Sie eröffnete die Feier mit dem Liede: "Deutschland, heiliges Land"
unter Leitung von Rektor Winzer. Vorher fand der gemeinsame Ausmarsch der Kinder und Gäste, unter ihnen
Landrat Haaß, Kreisgeschäftsführer Symanski, Kreisschulrat Liebig, Kreisbaumeister Verfuß vom Gemeindeamt zum
neuen Schulgebäude statt.
Zur Einleitung spielte die Bergkapelle den "Chor der Friedensboten" aus Richard Wagners "Rienzi". Dann sprach
Bauunternehmer Sykulla. Er wünschte dem neuerstandenen Gebäude Glück und Segen, zum Wohle der deutschen Jugend
und damit zugleich des nationalsozialistischen Deutschlands. Aus seiner Hand übernahm dann, über Regierungsbaumeister
Neunendorf, Rektor Winzer den Schlüssel des Schulgebäudes, der ihn an einen Schüler weiter gab, von dem er dann,
nach dem Gedicht "Oeffne dich, du verschlossenes Tor" abgenommen und die Schultür geöffnet wurde.
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Aufnahme = 08.1939 Sammlung Ursula Roszak
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