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23.03.2025
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Als Beifang bezeichnet man in der Fischerei diejenigen Fische, die zwar ins Netz gegangen sind, aber nicht das eigentliche Fangziel waren. Dieser Beifang wird teilweise verwertet zum allergrößten Teil aber wieder ins Meer gekippt.
Auch ich kenne diesen "Beifang" und nenne ihn auch so. Nicht in Gestalt von Meeresgetier sondern hauptsächlich in Form von Papier. Vom Grunde her meine ich damit denjenigen Materialanteil, der über das historische Themenfeld der Ansichtskarten und Fotos aus dem Senftenberger Raum hinausgeht. Dabei ist der Anteil dessen, was ich dann wirklich physisch oder gedanklich wieder "über Bord werfe" doch erstaunlich gering. Vielleicht weil ich beim Einsammeln von Material doch schon sehr selektiv vorgehe. Über all die Jahre, in denen ich meine Ansichtskartensammelei quasi publikumswirksam betreibe, ist das "Sekundärmaterial" immer wichtiger geworden. Sei es, daß ich historische Druckerzeugnisse verwende, um Ansichten zu datieren oder aber diese inhaltlich und visuell aufzuwerten. Durch die Art und Weise von www.gruss-aus-senftenberg.de komme ich schon seit langem nicht mehr umhin, zur Gestaltung der einzelnen Neues-Seiten über den Tellerrand der vorzustellenden Ansichtskarten/Fotos/Filme hinaus zu denken, denn die einfache Präsentation der Stücke ist mir ehrlich gesagt zu simpel.
Deshalb war ich auch sehr erfreut, als mir vor einer Woche ein kleinerer Stapel "Papierkram" in die gute Stube wehte, der unter anderem Stücke wie die in der Grafik oben gezeigt, enthielt... Rechnungen, Kassenzettel, Quittungen und dergleichen. Allesamt in suboptimalem Zustand aber der Mensch freut sich.

An dieser Stelle nun der Aufruf an das Publikum, mich bitte (auch) zu kontaktieren, wenn einem solche - im Fachjargon Ephemera genannte - Stücke in die Hände fallen, die irgendeinen Zusammenhang mit der Historie des von mir beackerten Gebietes zu tun haben oder zu tun haben könnten. Prinzipiell kann alles wichtig sein und es lohnt sich in den meisten Fällen, da mal einen Blick drauf zu werfen.

An anderer Stelle - als es um den Aufruf zur Mitarbeit an der nunmehr wieder vakanten Senftenberg-Chronik ging - hatte ich ja schon durchklingen lassen, daß ich die Beschränkung auf das Einliefern von Fotos, die der damalige Chronist in spe in den Raum stellte, für viel zu kurz gesprungen halte. Zu manchen Ereignissen gibt es unter Umständen überhaupt kein Bildmaterial aber vielleicht doch die eine oder andere "Sache" (Annoncen, Abzeichen, Programmhefte, Ausweise, usw. usf.), die der staubtrockenen Erzählung ggf. eine visuelle Aufwertung zukommen lassen.
Okay, ich gebe zu, daß ich ein ziemlicher Fan von alter Senftenberg-Reklame und ähnlichem bin bzw. wurde. Für jeden erkennbar an der flächendeckenden Verwendung von Faksimiles auf den hiesigen Seiten. Und da kommen mir Stücke wie die oben abgebildeten natürlich gerade recht. Leider "fange" ich sowas aber auch manchmal zu spät und dann ärgere ich mich ein wenig, da ich diesen Briefkopf oder jenen Stempel im Jahr soundso hätte gebrauchen können. C'est la vie.

Weil es so schön ist, präsentiere ich nachfolgend vier Stücke (zwei davon aus o.g. Konvolut), die meinem Projektgedanken am nächsten stehen. Ganz einfach, weil es sich um Stücke handelt, die erstens auf ähnlich starkem Karton gedruckt sind und zweitens in etwa oder genau die Abmaße von Ansichtskarten haben:

Senftenberg
Aufnahme <= 19??
Archiv der Stadt Senftenberg
Senftenberg
Aufnahme <= 1926
Sammlung Gerd Petsch
Senftenberg
Aufnahme <= 1920
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Aufnahme <= 1926
Sammlung Gerd Petsch
Während die drei Exemplare in der oberen Reihe allein durch den Aufdruck Postkarte klar als solche identifizierbar sind, ist das beim vierten Stück nicht der Fall.
Ich hatte das schon einmal hier geschrieben... der Uhrmacher Walter Lehmann hatte Stil! Das, was wir hier sehen, ist nämlich eine "Nota", die der Geschäftsmann im Kundenverkehr als Quittung verwendete. Umseitig sind entsprechende Linien aufgedruckt und vom Material her stabil wie eine ordentliche Postkarte. Doch postalisch wurden diese Stücke nicht verschickt. Anders die anderen drei Stücke, wobei das Grubann-Exemplar umseitig auch Quittungs-Charakter hat. Aber eben auch eine vorschriftsmäßige Einteilung auf der Vorderseite.

Übrigens: die digitale Restaurierung solcher Stücke ist zuweilen nicht weniger anspruchsvoll als die von Exemplaren mit einem Bildmotiv. Das liegt an den vielen Buchstaben und dem in der Regel nicht sehr guten Allgemeinzustand der Vorlagen. Die waren halt nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt und stellten nie ein Sammelobjekt dar. So wurden sie auch behandelt und man muß schon dankbar sein, daß man 100 Jahre später immer mal wieder ein solches Exemplar in die Finger bekommt.

Und auch hier noch einmal ein Aufruf in eigener Sache: Ja, auch solche Geschäftspostkarten sind bei mir immer herzlich willkommen!

Und noch etwas... ebenfalls vor einer Woche fand ich in meinem Hausbriefkasten ein kleines Konvolut an schwarz-weißen Fotoabzügen. Augenscheinlich stammen die Aufnahmen aus den 1970ern und aus dem Dunstkreis der Lausitzer Rundschau. Sie stellen mutmaßlich in mehreren Fällen die Grundlage von Illustrationen in der damaligen Lokalpresse dar. Grundsätzlich nicht wirklich aufregend da "Arbeiterbilder" aber eben auch nicht uninteressant. Es geht dabei mehrheitlich um den Aufbau des Wohngebiets "Süd" und man kann hier und da erkennen, mit welchem Ausschußmaterial die Blöcke errichtet wurden. Ein Wunder, daß die noch stehen!

Jedenfalls wurden die Fotos kommentarlos in meinem Briefkasten deponiert. Ich würde gerne wissen, wer der edle Spender ist und mich bei ihm persönlich bedanken. Wenn dieser das aus irgendwelchen Gründen nicht möchte, dann ist das aber für mich auch okay und ich bedanke mich hier und in dieser Form ganz lieb in die anonyme Masse hinein!