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25.09.2022
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Nun liegt sie also hinter uns, die Wahl des Bürgermeisters von Senftenberg. Zumindest der erste Anlauf. In wenigen Tagen erfolgt aufgrund des Endergebnisses eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten, die in der Tat nur mit einem sehr kurzen Abstand nacheinander die Ziellinie überquerten. Ich gestehe, daß ich bislang von beiden nicht so wirklich überzeugt bin, weshalb ich auch keinen von ihnen gewählt habe. Vielleicht liegt es daran, daß beide, Nadine Hönicke wie auch Andreas Pfeiffer, keine "echten" Senftenberger sind. Während Herr Pfeiffer im seit 2001 eingemeindeten Hosena, welches historisch betrachtet, nie zu Senftenberg gehörte, wohnt und arbeitet, befindet sich der Lebensmittelpunkt von Frau Hönicke in Groß Koschen. Das Dorf wurde zwar ebenfalls erst 2001 eingemeindet, geschichtlich und geografisch gehört Groß Koschen jedoch um einiges mehr zu Senftenberg als man dies für Hosena sagen kann. Nicht nur deswegen, wird man hier auf www.gruss-aus-senftenberg.de vergebens nach Ansichtskarten oder Fotos aus Hosena suchen. Gleiches gilt für einen weiteren Senftenberger Ortsteil, Peickwitz.

Groß Koschen liegt mir, wie gesagt, "näher", was sich ggf. in meinem Wahlverhalten niederschlagen wird. Egal wer es wird: der neue Bürgermeister erbt die (un-)dankbare Aufgabe, während seiner achtjährigen Amtszeit, die Feierlichkeiten zur 750. Wiederkehr der Ersterwähnung Senftenbergs zu organisieren und durchzuführen. Bis 2029 sind es nunmehr nur noch gute 6 Jahre, wovon für meinen Geschmack schon 2 Jahre vertrödelt wurden, denn am 9. September 2020 erhielt folgender Beschluß der Stadtverordnetenversammlung die Aktennummer 056/20:

Die Stadtverordnetenversammlung Senftenberg beauftragt den Bürgermeister in Vorbereitung des 750-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung Senftenbergs im Jahr 2029 eine Stadtchronik erarbeiten zu lassen, in der die neuen Erkenntnisse der Geschichtsforschung einfließen und besonders die historische Entwicklung Senftenbergs im 20. und 21. Jahrhundert aufgearbeitet wird.
Die dazu notwendigen Beauftragungen sowie die Drucklegung sind durch Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung bestätigen zu lassen.

Die Stellungnahme der Verwaltung hierzu lautete wie folgt:

Die Erarbeitung bzw. Fortführung einer Stadtchronik ist eine populärwissenschaftliche Arbeit zur Orts- und Regionalgeschichte. Eine bloße Fortschreibung der bereits mehr als 100 Jahre alten Chronik ("Chronik der Stadt Senftenberg und der zum ehemaligen Amte Senftenberg gehörigen Ortschaften" von Johann Gottlieb Paulitz stammt aus den Jahren 1892 bis 1923) ist dabei eine besondere Herausforderung und im Grunde kaum möglich. Sprache, Aufbau, Gestaltung und die Bearbeitung historischer Fakten der sog. Paulitz-Chronik entsprechen der damaligen Zeit und sind für die heutigen Zielgruppen natürlich nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Dennoch bildet die Paulitz-Chronik für die Stadt Senftenberg eine fundierte Basis für eine Neugestaltung und Fortschreibung der Senftenberger Stadtchronik. Die Beauftragungen für die Erarbeitung einer Chronik für die Stadt Senftenberg sollte auf der Grundlage eines Konzeptions- und Gestaltungswettbewerbs erfolgen, welcher öffentlich auszuloben ist und dessen Teilnehmerkreis gebeten wird, eine Konzeption einzureichen. Gleichzeitig ist der Teilnehmerkreis aufzufordern, Referenzen bzw. Arbeitsproben zu regionalgeschichtlichen Abhandlungen vorzulegen. Beizubringen ist auch eine Kostenkalkulation für die Erarbeitung der Chronik. Den Wettbewerbsteilnehmer*innen sollte ein, unter noch zu definierenden Voraussetzungen, pauschaler Aufwendungsersatz für die Teilnahme am Verfahren gewährt werden. Eine von der Stadtverordnetenversammlung zu bestimmende Jury könnte dann aus den Wettbewerbsbeiträgen einen Vorschlag zur Beauftragung erteilen, der der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung zugeleitet wird. Die Abwicklung der Beauftragung wäre auch über ein befristetes „Stadtschreibermodell“ denkbar, bei welchem die/der Autor/in bei der Stadt Senftenberg projektbezogen beschäftigt wird.

Tja, und dabei blieb es bisher auch. Ich fragte vor einem Jahr, zum 1. Geburtstag des Beschlusses, in einer Ausschußsitzung, ob denn das "Baby" mittlerweile das Laufen gelernt hätte. Neben verschämtem Wegducken ("ach da war ja was") der meisten Ausschußmitglieder kamen seitens der Verwaltung lediglich Ausflüchte und vage Ankündigungen. Ich habe es mir erspart, zum 2. Geburtstag des mittlerweile im KiTa-Alter befindlichen Kleinkindes öffentlich zu gratulieren. Wer weiß, vielleicht muß ich ja in zwei, drei Jahren, wenn man das Projekt einen Gnadentod sterben lässt, kondolieren!?

Ob die oder der zukünftige Senftenberger Bürgermeister(in) das Stadtjubiläum nebst Fort-/Neuschreibung der Chronik bereits auf dem Schirm hat oder erst bei Übergabe der Amtsgeschäfte (wenn überhaupt!) gebrieft wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Beide Kandidaten sind jedenfalls heimathistorisch bislang nicht sonderlich in Erscheinung getreten. Aber von welchem bisherigen Senftenberger Bürgermeister kann dies schon behauptet werden? Insofern befände man sich in guter Gesellschaft.

Übrigens: zur 700-Jahrfeier im Jahre 1979 hatte Senftenberg mit Hannelore Wagner schon einmal eine Bürgermeisterin. Wie man hörte, kam während ihrer Amtszeit so einiges Historisches unter die Räder, bzw. konnte nur durch beherztes Eingreifen anderer im letzten Moment gerettet werden. Falls Frau Hönicke als zweite Frau die oberste Position der Senftenberger Stadtverwaltung einnimmt, wünsche ich mir von ihr, daß so etwas nicht wieder passiert. Gleiches gilt natürlich auch für den männlichen Mitbewerber, Herrn Pfeiffer. Stattdessen sollte viel mehr dafür getan werden, die Historie unserer Stadt und deren Ortsteilen umfassend aufzuarbeiten und die Ergebnisse dessen allen Interessierten zentral und leicht zugänglich zur Verfügung zu stellen.

Okay, lange Rede - kurzer Sinn, Herr Pfeiffer mag es mir nachsehen, aber Hosena ist nicht mein Pflaster, widme ich die aktuelle Woche dem Heimatort der Kandidatin Nadine Hönicke, dem Senftenberger Ortsteil Groß Koschen. Dabei steigere ich von oben nach unten den Schwierigkeitsgrad hinsichtlich der heutigen Verortung. Vermutlich stellt dies nicht nur für die Kandidatin ein Problem dar...

Die rechts abgebildete Zweibildkarte ist dabei noch von der einfachen Sorte. Die untere Abbildung, mit "Straßenansicht" umschrieben, stellt sich heutzutage im Grunde noch immer so dar.
Auf der oberen Abbildung erkennt man ganz links, den Gasthof "Zum Krug", der ja nun auch endlich saniert werden soll. Den beiden Gehöften mittig und rechts, von letzterem erfahren wir hier, daß sich dereinst darin die "Posthilfsstelle" des Dorfes befand, wurde diese Behandlung leider nicht zuteil. Sie wurden durch Neubauten ersetzt.

Senftenberg
Photogr. u. Verlag v. Herm. Meyer,
Senftenberg.
1009
Aufnahme <= 1912
Sammlung Hans-Jürgen Lucas
Senftenberg
Friedr. Schötz, Gr. Koschen
3107
3 60 49 817 e
Aufnahme <= 1917
Sammlung Matthias Gleisner
Die nächste Produktion ist schon einen Zacken schärfer. Nicht nur, daß die Bildseite keinen echten Ortsbezug liefert (dies wird jedoch auf der bildabgewandten Seite durch ein Gruss vom Koschenberg b. Senftenberg (Lausitz)" nachgeholt) sind die verwendeten vier Teilmotive hinsichtlich heutiger Gegebenheiten nicht mehr zuordenbar. Wir sprechen hier immerhin von spätestens 1912, als die Aufnahmen entstanden, wobei ich positiv davon ausgehe, daß die Ansichtskarte noch zwei oder drei Jahre älter ist. Der zuständige Produzent, Senftenbergs Fotograf Hermann Meyer, verließ 1910 unsere Gegend weshalb es unrealisitisch ist, daß danach noch Produkte mit seiner Firmenbezeichnung aufgelegt wurden. Alle vier Fotos wurden im engeren Umfeld der damaligen Produktionsanlagen des Steinbruchs aufgenommen. Mit Hilfe einer Luftbildaufnahme gelingt es, diese mehr oder weniger im Raum zu positionieren...

Den Titel Koschenberg b. Senftenberg findet man auch auf dem dritten und letzten Stück für heute. Nach einiger Überlegung bin ich zu dem Urteil gekommen, daß der Schriftzug auf der Bildseite der einzige Bestandteil der Produktion ist, der einen Bezug zu Senftenberg/Groß Koschen darstellt...

Es wurde an anderer Stelle schon einmal über den geplanten Bau eines sogenannten "Bismarckturmes" auf dem Koschenberg berichtet.
In seiner Ausgabe vom 15. März 1903 enthielt der Senftenberger Anzeiger einen zweispaltigen Textbeitrag, der unter dem Titel "Der Bismarckthurm auf dem Koschenberge." die Leserschaft erstmals(?) darüber informierte, daß man in Kreisen der hiesigen Veteranen- und Kriegervereine beabsichtige auf dem Berg einen Bismarckturm zu errichten. Auf einer Vereinsversammlung, die in Calau stattfand, entschied man sich in einer Abstimmung jedoch, da Senftenberger Vetreter wohl in der Minderzahl waren, die Planung zugunsten eines Standortes in der Nähe Calaus zu verändern. Ungeachtet dessen trieb man das Koschenberg-Projekt hier vor Ort weiter voran. Man gründete ein Kommitee, welches hauptsächlich damit beschäftigt war, die erforderlichen 18.000 Mark einzusammeln. Dies war in Folge nur mäßig von Erfolg gekrönt, so daß das Projekt im Laufe des Jahres sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand. 1907 wagte man wohl einen zweiten Anlauf, der jedoch ähnlich kläglich scheiterte. Jedenfalls kam das Bauwerk nicht über eine grobe Planung hinaus.
Ich behaupte, daß die bildliche Darstellung auf der Ansichtskarte nicht einmal einen frühen Planungsstand illustriert. Ich habe ein Exemplar dieser Karte gesehen, welches mit 21.04.1903 datiert wurde, also vier Wochen nachdem in der Presse über das Vorhaben informiert wurde.

Senftenberg
WILHELM HOFFMANN AG DRESDEN
Aufnahme <= 1903
Sammlung Hans-Jürgen Lucas
Der Absender der Karte hatte zu diesem Zeitpunkt schon "Koschenberg" durchgestrichen und handschriftlich durch "Cabeler" (Berge) ersetzt, also den bei besagter Versammlung favorisierten Standort südlich von Calau. Die kurze Zeitspanne zwischen Bekanntgabe des Vorhabens und dem Auftauchen dieser Ansichtskarten legt für mich den Verdacht nahe, daß der Entwurf des Dresdener Architekten von Mayenburg (seinen Namen verbinden wir hierzulande mit Entwurf und Errichtung der Kolonie Grube Marga ab 1906) eher eine Art "Musterentwurf" und nicht zwingend auf den Koschenberg oder die Cabeler Berge zugeschnitten war. Letzteres wurde übrigens ebensowenig umgesetzt.

Was die Ansichtskartenproduktion selbst angeht, so ist diese ziemlich selten. Ich musste bis vor einigen Tagen ausharren, bis ich endlich ein Original in meinen Händen halten konnte. Zweifellos handelte es sich dabei um dasselbe Stück, welches anno 1993 in dem Buch "Senftenberger See - Historische Wanderung durch..." reproduziert wurde. Dort jedoch beschnitten und in schwarz/weiß um die zahlreichen Beschädigungen zu kaschieren. Ob sie aber vor 30 Jahren schon einlaminiert war? Vermutlich nicht und es wäre besser gewesen, dies in Folge auch nicht zu tun.
Ich kann jedem nur dringend abraten, historische Dokumente wie Fotos, Ansichtskarten, Urkunden usw. usf. zu laminieren. Dieser Prozess ist nämlich irreversibel. Ohne Schäden kann ein so behandeltes Dokument nämlich nicht wieder aus der Plastikhülle entfernt werden! Ich habe den Versuch unverzüglich abgebrochen, als ich gewahr wurde, daß ich damit die Bildfläche unwiederbringlich zerstören würde. Gleiches gilt übrigens auch für die Vierbildkarte weiter oben. Zähneknirschend aber angesichts der Seltenheit beider Stücke doch irgendwie froh, musste ich die laminierte Version scannen, was zu einer leichten Unschärfe der Grafik führte. Nicht dramatisch, aber in meinen Augen nicht ganz so scharf wie eine Vorlage ohne Plastikbeschichtung.