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Älteres


Senftenberg
Aufnahme <= 19??
Sammlung Klaus Hauptvogel

Einen ähnlichen Zweispänner sahen wir vor einigen Wochen hier schon einmal... Und auch, wenn es nicht exakt die selbe Kutsche ist, gehört das Gefährt doch zu ein und derselben Familie... Ich bin mir dessen ziemlich sicher, denn beide Aufnahmen entstammen dem selben Fotoalbum. Ich erwähnte ein solches ja vor nicht allzu langer Zeit und versprach, das Geheimnis darum zu lüften. Dieses Versprechen möchte ich heute einlösen. Das Album selbst enthält neben Fotos mit Senftenberg- und Reppist-Bezug auch eine ganze Reihe von Familienfotos, die aber nicht so interessant für mich sind. Schriftliche Eintragungen sind eher spärlich gesät und zudem nicht sehr hilfreich bei der Beantwortung der Frage, wer dieses Fotoalbum einst anlegte.
Doch zunächst zurück zu der oberen Abbildung. Die davor positionierte hochherrschaftliche Kutsche gehört nicht zu dem dahinter befindlichen Wohnhaus. Das Haus ist in meinen Augen jetzt nicht sonderlich prunkvoll aber dennoch ganz reiz- und geschmackvoll gestaltet. Man könnte vermuten, daß die Bewohner etwas betuchter waren und wahrscheinlich war es auch so. Die Kutsche jedoch gehörte zum Nachbarhaus rechts davon...

Senftenberg
Photographisches Atelier von Herm. Meyer
Senftenberg, N.-L.
Aufnahme <= 1901
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Aufnahme <= 19??
Sammlung Klaus Hauptvogel
... und dieses macht im direkten Vergleich so gar nicht den Eindruck, als ob dort vermögende Leute wohnten. Heutzutage würde man das wohl "Understatement" nennen - eine Familie "aus besseren Kreisen", die in einer von außen betrachtet vergleichsweise bescheidenen Bleibe residiert. Auch Innenaufnahmen aus diesem Haus, die sich ebenfalls in besagtem Fotoalbum befinden, zeigen zwar einen gewissen Wohlstand, die Räume an sich sind dann aber doch eher etwas beengt.
Leider verfüge ich nicht über das Adressbuch Senftenbergs aus der Zeit der Jahrhundertwende. Ein Exemplar davon liegt, wie wir unlängst lernten, eingemauert unter der Schule 1. Insofern ist nicht so einfach zu ermitteln, wer zu dieser Zeit an dieser Adresse wohnte, denn die Aufnahmen entstammen aus den Jahren 1895 - 1905. Also bleibt wieder nur Detektivarbeit!

Durch Zusammentragen und kombinieren aller Informationen lichtete sich der Wald und obwohl ich es nicht mit allerletzter Sicherheit verifizieren kann, behaupte ich, daß in diesem Haus in der Moritzstraße (heute Straße der Jugend) die Familie des Bergwerksbesitzers Hugo Reschke lebte.
Senftenberger Anzeiger (1890)
Die obige Stellenanzeige für einen Kutscher gehört zwar nicht zu denjenigen Informationen, die mich der Lösung näher brachten, passt aber irgendwie.
Und es ist ja nicht einmal ausgeschlossen, daß sich der Mann auf dem Kutschbock, den wir auf der obersten Fotografie sehen, auf eben jene Annonce bei den Reschkes beworben und die Stellung erhalten hat. Bestandsaufnahme: wir finden im Fotoalbum Außenaufnahmen des Hauses (auch vom Hinterhof und dem dahinter befindlichen Garten), Innenaufnahmen, die zeigen, daß die Bewohner zur Oberschicht gehörten. Außerdem Aufnahmen einer Brikettfabrik sowie die bereits vorgestellte Aufnahme eines Kontors über dessen Einfahrt klar und deutlich "Gebrüder Reschke" prangt. Zusätzliches Indiz : eine Fotounterschrift Hugos Büro (oder so ähnlich). Meine Theorie wird zusätzlich durch einen Vorort-Termin gestützt. Das Haus entspricht nämlich noch weitestgehend dem Zustand, wie wir ihn auf den historischen Fotografien sehen.
Sicher, der Zahn der Zeit ist nicht spurlos an dem Gebäude vorüber gegangen, so hat sich zum Beispiel die Terrasse stellenweise gesenkt. Sicherlich ein Grund dafür, daß die übergroße Mehrheit der kleinen Säulen der Balustrade heutzutage durch eine weniger schöne Rohrkonstruktion ersetzt wurden. Vorbei gegangen sind aber auch jegliche Bestrebungen, das Haus äußerlich zu modernisieren. Zum Glück! Denn so ist auch heute noch ein kleines schmiedeeisernes Türchen erhalten, welches die Terrasse von einer kleinen Eisentreppe abtrennt.
Und es gehört jetzt nicht allzu viel Fantasie dazu, die beiden Buchstaben zu erkennen, die eingearbeitet wurden - HR
Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn dies nicht die Initialen von Hugo Reschke sein sollen.
Wie gesagt: den 100%igen Beweis, daß das Fotoalbum einst der Familie Reschke gehörte und somit die abgebildeten Personen und Gebäude den Reschkes zuzuordnen sind, kann ich nicht erbringen, aber ich bin mir ziemlich sicher. Es müssten schon sehr viele Zufälle zusammen kommen, wenn dem nicht so wäre.
Doch wieder zurück zu den Abbildungen. Das Nebenhaus (Moritzstraße 17) ist sicher nur zufällig auf das Foto gelangt, weil der Fotograf so den Zweispänner besser in Szene setzen konnte. Das zweite Foto, welches das Reschkesche Haus (Moritzstraße 15) aus der Richtung Gartenweg zeigt, dürfte um die gleiche Zeit aufgenommen worden sein. Das Fotomaterial ist ziemlich identisch (Farbgebung etc.). Ich vermute, daß die männliche Person auf der Terrasse links Hugo Reschke höchstpersönlich ist. Neben ihm, seine Ehefrau Martha. Das Paar im Vorgarten könnte eventuell Hugos Bruder Carl Reschke nebst Gattin Elisabeth sein. Die anderen beiden Damen sehen mir nach Bediensteten aus.
Wenn dem so wäre, muß die Aufnahme spätestens 1901 gemacht worden sein, denn Hugo Reschke starb am 22.Oktober 1901 nach längerer Krankheit mit nur 46 Jahren in Senftenberg. Sein fünf Jahre älterer Bruder Carl starb 10 Jahre später am 2.Dezember 1911 ebenfalls nach langer Krankheit in Berlin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Familie Reschke schon einige Zeit aus Senftenberg in Richtung Dresden und Berlin verabschiedet.
Daß unter dem Foto mein Name und nicht der von Klaus Hauptvogel steht, ist darin begründet, daß ich (und das nenne ich mal wirklich einen Zufall!) just in der Woche, in der Klaus mit dem Fotoalbum bei mir auftauchte, dieses Foto bei eBay ersteigerte. Die gleiche Aufnahme befindet sich auch im Fotoalbum, meine Version ist jedoch links und rechts weniger beschnitten, weshalb ich mein Original für die Aufbereitung favorisierte.
Die dritte Aufnahme zeigt wiederum das Haus Moritzstraße 15 aus nahezu der gleichen Perspektive. Diesmal jedoch einige Jahre später. Angesichts der Bäume vor dem Haus, würde ich sagen, daß mindestens 5 Jahre vergangen sind. Auf der Terrasse diesmal möglicherweise die Witwe nebst Töchtern.

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