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Es war ja klar, daß der Tag kommen würde, an dem ich wieder eine Handvoll Aufnahmen des Senftenberger Schlosses angehäuft habe... Und dieser Umstand ist nun heute eingetreten! Ich gebe zu, daß mir zumindest die späteren Ansichten nicht so wirklich am Herzen liegen. Zum Einen ist der Bau nun wirklich ziemlich einfach gestrickt und bietet kaum etwas fürs Auge. Zum Anderen tritt auf den meisten Fotografien der schlechte bauliche Zustand des Gemäuers mehr als deutlich zu Tage. Und da blende ich schon geflissentlich die traurige Verfassung des Bauwerkes zu späteren DDR-Zeiten bis hinein in die 2000er Jahre, in denen endlich die Restaurierung erfolgte, aus!
Womit ich dann auch gleich den Bogen gespannt habe, denn zwei der fünf Aufnahmen stammen aus DDR-Zeiten. Der Rest wurde definitiv (auch) nach 1932 aufgenommen. Dies erkennt man an der halbkreisförmigen Eingangstreppe, die in jenem Jahr anstelle der alten Zugangsrampe angelegt wurde. Dies geschah im Zusammenhang mit der Verlegung des hier lange Jahre beheimateten Gymnasiums in den Neubau an der Hindenburgstraße und der gleichzeitigen Umnutzung des alten Schlosses als Heimatmuseum.

Senftenberg
Kunstverlag Reinhard Rothe (F. Mühlbach),
Meißen
R 43530 Echt Photo Nr. 1889
Aufnahme <= 1941
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
Senftenberg
Aufnahme <= 19??
Archiv der Stadt Senftenberg
Senftenberg
Verlag Schöning & Co. Lübeck
63460
Aufnahme <= 1940
Sammlung Erika Fischer
Senftenberg
Thüringer Volksverlag, Erfurt
Liz.-Nr. 313 Best.-Nr. St 1/494
V/11/28 - Zc 85 - 2,5 - 1251
Echte Fotografie
Aufnahme <= 1951
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg
VEB BILD UND HEIMAT REICHENBACH i.V.
Echte Fotografie 88/61
Best.-Nr. 6/154
III/18/6 A 3/61 DDR
Aufnahme <= 1957
Sammlung Matthias Gleisner
Immerhin erhalten wir heute gleich drei mal einen Blick auf das Portal aus der eher unterrepräsentierten Südwest- Richtung. Gewöhnlich postierten sich die Fotografen an der Südost-Ecke, wie man es auf den beiden linken Exemplaren sehen kann.
Während die beiden Vorkriegsproduktionen (obwohl mit <= 1940 bzw. <= 1941 angegeben, tendiere ich eher zur Mitte 1930er) die Szenerie als Schloß betiteln, verweisen die beiden DDR-Produktionen umseitig bereits auf das (Heimat-)Museum.
Von der linken Aufnahme aus dem Jahr 1951 wurden später immer wieder Nachauflagen gedruckt. Diese enthalten aber zumeist weniger Bildinformationen, sind also beschnitten und machen insgesamt einen etwas verschwommenen Eindruck. Deshalb stelle ich lieber die Variante vor, die ich für die Ur-Version halte. Die zweite DDR-Produktion erschien ebenfalls in verschiedenen Auflagen mit immer leicht anderen Seriennummern. Ich gehe auch hier von einem früheren Aufnahmejahr als das aktuell veranschlagte 1957 aus - wahrscheinlich 1954.

Mit der, von reichlich nationalsozialistischem Pomp begleiteten Einweihung des Heimatmuseums im Oktober 1933 avancierte diese Einrichtung zu einem der zwei Aushängeschilder Senftenbergs im Sinne des Fremdenverkehrs. Es existieren eine ganze Reihe von Lobeshymnen auf das Museum aus den 1930ern, die weitestgehend berechtigt sind. Das Heimatmuseum nahm breiten Raum in gedruckten Veröffentlichungen jener Jahre ein (Tagespresse, Heimatbücher, Broschüren, Faltblätter). Ich werde hier bestimmt noch Gelegenheit haben, das eine oder andere zur Ansicht zu bringen. Auch nach dem Krieg erschien noch die die eine oder andere Abhandlung, die sich mit der Geschichte des Heimatmuseums beschäftigte und dabei aber auch immer wieder auf die Texte der 1930er Jahre zurückgriff. Eine solche Abhandlung vom damaligen Museumsdirektor Günter Wendt möchte ich nachfolgend leicht gekürzt wiedergeben. Sie erschien im Heimatkalender des Kreises Senftenberg 1958. Das Büchlein selbst wird heute etwas mystifiziert, da nur wenige Exemplare davon in Umlauf kamen. Kurz nach Veröffentlichung wurde der Verkauf durch den Rat des Kreises gestoppt. Die maßgeblichen Apparatschicks bedauerten, daß in einigen entscheidenden Ausätzen die Verfasser mit alten, bürgerlichen und überlebten Vorstellungen an die Darlegung heran gingen. Um es kurz zu sagen, es fehlte in einer Reihe von Artikeln der Klassenstandpunkt zu den dort geschriebenen Dingen.. Ob damit auch der nachfolgende Aufsatz gemeint war? Für mich ist er eigentlich ausreichend "rot angehaucht"...

Schloß und Kreismuseum

von Günter Wendt

Hart an den Südbastionen des Senftenberger Schlosses arbeiten Bagger und Schrapper, fahren unermüdlich Tag und Nacht die Dumperfahrzeuge, um der Schwarzen Elster eine neues Bett zu schaffen. Eigentlich ist es wieder das alte Flußbett, in welchem unsere Elster schon vor hundert Jahren zur Elbe Floß. Hier begegnen sich zwei Welten - alter historischer Boden und der Bergbau mit seinem neuen Kohle- und Energieprogramm.
Das Schloß, "Das feste Haus von Senftenberg", mit seiner nahezu tausendjährigen Geschichte und der Bergmann, der vor reichlich hundert Jahren seinen ersten Schacht in der Pommelheide abtäufte. Noch heute schützen, unterstützt durch verständnisvolle Gesetzgebung der Denkmalspflege, die Wälle der ehemaligen sächsischen Festung das älteste Baudenkmal unserer Stadt, in dem vor fünfzig Jahren der Grundstein zu unserem Kreismuseum gelegt wurde.
Zweifach ist die Forderung, die an uns gestellt ist: Erstens, die Erhaltung des Schlosses als Baudenkmal und zweitens, das Schloß gemäß seiner neuen Funktion als Museum umzugestalten. Die verschiedenen Aufgaben, die das Gebäude in der Vergangenheit hatte, sind noch heute ablesbar. So diente es in jüngster Zeit noch Schulzwecken, zuvor barg es ein Amtsgericht und Gefängnis, nachdem es seine strategische Bedeutung im Verlauf des Siebenjährigen Krieges als Festung eingebüßt hatte und nach 1815 preußisch wurde. Jeder Nutzer des Gebäudes hat es seinem Willen nach umgebaut und den alten Charakter verwischt.
...
Das Geschehen und der geschichtliche Ablauf der Vergangenheit soll durch sinnvolle Darstellung im Kreismuseum zugänglich gemacht werden. Der Mensch unserer Tage soll die Gegenwart besser begreifen durch Kenntnis der Geschichte seiner Heimat. Beginnend mit den ersten Spuren der Jägerhorde vor zwanzigtausend Jahren, bis zu den Anstrengungen und genialen Leistungen der Gegenwart, vom Kampf unserer Kumpel und der Arbeit unserer Ingenieure bei der ständigen Vervollkommnung der Industrie. Die geologischen Voraussetzungen der Heimat sollen den Betrachtern erläutern, warum gerade hier die Schlote von Brikettfabriken, Glashütten, Ziegelein und Eisenhütte in den Lausitzer Himmel ragen. Beim Herabsteigen in den Schacht der Bergbauabteilung, den gefährlichen und zugleich unrentablen Bruchbau darstellend, und beim Anschauen der Modelle, einer Schurre und des ersten Dampfbaggers, soll er die technische Entwicklung, die veränderten Produktionsbedingungen erkennen. Er muß aber auch die gesellschaftliche Seite des Problems erfassen können; denn die Darstellung der industriellen Entwicklung ist die Geschichte des Kapitalismus und ebenso auch die Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse.

All diese Aufgaben hatten sich auch schon im Jahre 1907 die Gründer des Heimatmuseums gestellt. Einem allgemeinen Zeitgeist folgend, angeregt durch die Grabungen Schliemanns in Troja und befruchtet von dessen Freund Rudolf Virchow, begann auch in der Mark die Spatenarchäologie.
Aus Schwärmerei und Heimatliebe entstand ein neues historisches Interesse, in das später die Arbeit der Niederlausitzer Gesellschaft wissenschaftliche Ordnung brachte. So gründete in Senftenberg ein aufgeschlossener Bürgerkreis ein zunächst bescheidenes Museum, das im Pulverturm der Nordbastion sein erstes Magazin hatte. Zwei Jahre später bezog das junge Mueseum zwei Räume im Schloß. Seinem Gründer und ersten Leiter, Oberschullehrer Otto Mingau, verdanken wir, daß usn heute reiches Material zur Verfügung steht. Durch verantwortungsbewußte Maßnahmen unseres Kulurministeriums nimmt heute das Kreismuseum den größten Teil des Schlosses ein. Die alte, gedrängte Ansammlung von Schaustücken konnte neu und übersichtlich geordnet werden. Dem Besucher sind heute bereits zugänglich: Stadt- und Schloßgeschichte, Darstellung des mittelalterlichen Handwerks, sakrale Kunst, die Bauernabteilung, einbezogen die sorbische Vergangenheit, und das Bürgerzimmer. In Vorbereitung und Aufbau befinden sich die Industrieabteilung mit der Geologie und in den oberen Räumen steht eine große Abteilung der Ur- und Frühgeschichte vor ihrer Vollendung. Ebenso wird erstmalig ein wohlgeordnetes Magazin der wissenschaftlichen Arbeit dienen. Zur Ausstellung aktueller Probleme ist ein Ausstellungs- und Vortragssaal geschaffen worden, den viele Besucher aus den letzten Ausstellungen kennen. Es sei hier nur an die Vietnam-Ausstellung sowie an die Ausstellung für Volksbildnerisches Schaffen und an die Kunstausstellung des Verbandes bildender Künstler Deutschlands erinnert.
Mit Rücksicht auf die klaren alten Architekturformen, z.B. die schönen noch erhaltenen Gewölbe auf mächtigen Mauern ruhend, wurde auf Belangloses verzichtet. Gut gemeinte Umbauten, die den alten Charakter des Gebäudes verfälschten, wurden korrigiert, um die Schönheit des Raumes auf den Betrachter wirken zu lassen. Viele historische Lücken, die sich ergaben, mußten geschlossen werden. Dadurch setzte ein neues Sammeln von museumswürdigen Schaustücken ein. Da eine gute Sammlung ihre volksbildende Aufgabe darin sieht, daß sie ihren Besuchern Geschichte bis zur Gegenwart zeigt, bedingt es ihren ständigen Ausbau und eine ständige Wandlung. Nur so wird es seiner Aufgabe gerecht, nicht verstaubte Rumpelkammer zu sein, sondern Bildungstätte und anziehendes Erziehungsmittel unserer Menschen. Nur durch die Unterstützung aller, von Heimatliebe beseelt, wird unser Kreismuseum seine große Aufgabe erfüllen können. Daß die Neugestaltung des Museums gerechtfertigt ist, beweist ein ständig wachsendes Interesse, das sich in stets wachsenden Besucherzahlen auswirkt.

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