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2200 Motive... Donnerwetter! Wer hätte das gedacht? Knapp 7 Monate hat es gedauert um eine weiteres Hunderter-Pack alter Ansichten aus Senftenberg und Umgebung aufzubereiten und zu präsentieren. Wenn es nach mir ginge dann könnte das noch ewig so weiter gehen. Ich befürchte jedoch, daß mir über kurz oder lang das Material ausgehen wird.
Die externe Unterstützung des Projektes ist ja leider auch auf einen harten Kern reduziert, neue Quellen aufzutun gestaltet sich zunehmend schwieriger. Darüberhinaus ist der Markt nahezu vollständig leer gekauft. Woran ich persönlich natürlich einen ziemlich großen Anteil habe.
Mal sehen, wie sich das alles hier zukünftig entwickeln wird. Ich denke, daß es noch ein wenig weiter geht und noch der eine oder andere "Knaller" präsentiert werden kann.

Doch genug der Vorrede. Schreiten wir nunmehr zur Tat und zeigen Motiv 2199 und 2200...

Senftenberg
Wenzel, Photogr., Senftenberg
Aufnahme <= 1927
Sammlung Erika Fischer
Senftenberg
Aufnahme <= 1927
Sammlung Matthias Gleisner

Wie nicht anders zu erwarten, besitzen beide Fotografien einen musikalischen Hintergrund. Zufälligerweise zeigen beide Abbildungen auch noch denselben "Truppenteil". Ich habe jetzt nicht Person für Person abgeglichen, doch ich glaube im Großen und Ganzen erkennt man das identische Personal. Die linke Fotopostkarte wartet mit einem Poststempel vom 30. Juni 1927 auf und der Absender informiert im Text (wahrscheinlich seine Eltern in Dissen bei Cottbus): Vor August komme ich nicht nach hause. Haben jeden Sonntag Umzug.
Wir können davon ausgehen, daß der Schreiber selbst auf dem Foto zu sehen ist und damit wahrscheinlich auch auf der Fotografie links, die uns jedoch keinen konkreten zeitlichen Anhaltspunkt liefert. Da ich speziell bei den jüngeren Mitgliedern des Spielmannszuges keine nennenswerten Altersunterschiede zwischen Foto rechts und Foto links erkennen kann, takte ich das undatierte und großformatige Foto ebenfalls in <= 1927 ein.
Nachdem die zeitliche Einordnung dargelegt wurde soll natürlich noch geklärt werden, wer denn hier konkret zu sehen ist und wer somit jeden Sonntag Umzug macht...

Aufgrund des Symbols auf der großen Trommel kann zweifelsfrei gesagt werden, daß es sich hierbei um einen Spielmannszug des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold handelt. Daß es sich konkret um die Senftenberger Abteilung handelt, kann nicht hundertprozentig bestätigt werden. Ich vermute es jedoch stark.
Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold war ein politischer Wehrverband, der 1924 in Magdeburg gegründet wurde. In ihm konzentrierten sich im wesentlichen Weltkriegsveteranen, die der Sozialdemokratie nahe standen. Das Reichsbanner verstand sich als Hüter des Erbes der demokratischen Tradition der Revolution von 1848 und der verfassungsmäßigen Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold. Dem Verband gehörten 1932, einem Jahr vor seinem Verbot durch die Nationalsozialisten, bis zu 3 Millionen Mitglieder an.
Und von diesen 3 Millionen befanden sich halt auch so einige Gruppen in Senftenberg und Umgebung. Diese wiederum unterhielten teilweise musikalische Unterabteilungen, die während der Veranstaltungen für die notwendige lautstarke Untermalung sorgten. Speziell die Senftenberger Kapelle besaß damals einen sehr guten Ruf.

Es war damals aber nicht alles nur "Trommeln und Pfeiffen". Es ging durchaus "handfest" zur Sache. Der nachfolgende Auszug aus der nationalsozialistischen Propaganda mag das verdeutlichen. Die Reichsbanner-Leute wurden von den Nazis übrigens verächtlich Reichsbananen genannt...

... In Senftenberg tobte der Kampf ín den Jahren 1931/32 unentwegt weiter. Größere Zusammenstöße gab es am 8. und 9. August 1931 (Volksentscheid). Am Vorabend des Volksentscheids rief die damalige Zschornegosdaer SA., die im Parteilokal Zschieschke eingeschlossen war (das Lokal war regelrecht umlagert), die Senftenberger Kameraden zu Hilfe. Innerhalb einer Stunde waren 20 Mann in Zschornegosda und nach einem blutigen Kampfe wurde die Zschornegosdaer SA. befreit und das Reichsbanner und die Kommune mit nicht ganz heilen Köpfen nach Hause geschickt. Drei schwerverletzte Reichsbananen mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Für diese Niederlage wollten die Gegner Rache nehmen. Am Tage des Volksentscheids sammelten sich Reichsbannerleute und Kommune und überfielen Wahllokale, in denen SA.-Männer ihren Dienst versahen. Von Sedlitz, Reppist, Bückgen und anderen Orten aus der Umgebung wurde Verstärkung seitens der roten Mordbanditen herangeholt. In der Calauer Straße kam es zum Zusammenstoß. Ueber 200 Reichsbannerleute und Kommunisten überfielen 12 SA.-Männer, die beim Verteilen von Wahlzetteln beschäftigt waren. Die SA.-Männer wurden in bestialischer Weise zu Boden geschlagen. ...

Soweit die Legendenbildung der Nazis in einer Retrospektive, die 1939 im Jahrbuch des Kreises Calau unter "Die SA. des Kreises in der Kampfzeit" veröffentlich wurde.

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