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Älteres


Senftenberg
Aufnahme <= 1900
Sammlung Klaus Hauptvogel

Senftenberger Anzeiger (November 1898)
Senftenberg
Aufnahme <= 1900
Sammlung Klaus Hauptvogel
Die kurze Mitteilung aus dem Senftenberger Anzeiger des Jahres 1898 räumt hoffentlich mit der hier und da erzählten Geschichte auf, daß die Villa Marie zur Industriellen-Familie Reschke gehörte, die die mehr oder weniger gleichnamige Brikettfabrik "Grube Marie" in Reppist betrieben.
Es ist der Notiz zu entnehmen, daß die Villa durch den Bauunternehmer Pusch errichtet wurde und drei Jahre später an den Mediziner Dr. Oskar Reinach verkauft wurde. Der wiederum hatte Verbindungen zu Reschkes, wie mir der Urenkel Hugo Reschkes mitteilte. So war er beispielsweise Trauzeuge von Hugo Reschkes Tochter, die 1910 einen von Gulben aus Schönfeldt heiratete.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen wir auf dem rechten Foto besagten Dr. Reinach nebst Frau und Kind. Rechts davon erkennen wir Hugo Reschke und Gattin und der Mann links dürfte Hugos Bruder Carl sein. Wie gesagt, die Brüder betrieben bei Reppist die Brikettfabrik "Grube Marie". Keinem von beiden war ein langes Leben beschieden... Hugo starb mit nur 46 Jahren im Oktober 1901. Nach seinem Tod verließen Reschkes Senftenberg und verzogen nach Dresden und Berlin. In Berlin, wo Hugo auch begraben wurde, starb Carl 10 Jahre später im 60. Lebensjahr stehend.
Wir können also davon ausgehen, daß ich mindestens das rechte Foto ziemlich gut datiert habe. Es kann nicht nach Oktober 1901 aufgenommen worden sein. Von der ganzen Anmutung her, gehe ich tatsächlich von 1898/99 aus.
Zu sehen ist natürlich besagte "Villa Marie" in der Moritzstraße, die nach vielen Jahren als "Straße der Jugend" in diesem Jahr endgültig wieder ihren ursprünglichen Namen zurück erhalten hat. Insofern passt die Beschriftung auf der nachfolgenden Ansichtskarte (auch) wieder.
Das Haus selbst ist immer noch wiederzuerkennen. Auf den ersten Blick fehlt lediglich der herrschaftliche Balkon. Leider! Und man mag es kaum glauben, aber der Gartenzaun ist heute noch vorhanden.
Das Ansichtskartenmotiv ist, wie man sehen kann, nicht neu auf www.gruss-aus-senftenberg.de. Mittlerweile liegt die vierte Version davon vor und diese unterscheidet sich von Variante 1 lediglich in dem linksseitigen Blumenmotiv. Möglicherweise gab es noch weitere florale Abwandlungen.

"Floral" ist auch das Stichwort für die Gestaltung der unten abgebildeten Urkunde, die Hugo Reschke von den Beamten der Firma zu seinem 25-jährigen Kaufmanns-Jubiläum überreicht wurde...

Senftenberg
Photographie u. Verlag v. Herm. Meyer,
Senftenberg N.L.
SERIE 5
Aufnahme <= 1900
Sammlung Fred Förster
Senftenberg Senftenberg Senftenberg

Am oberen Rand der Urkunde erkennen wir auch die Initialen HR, die wir übrigens heute noch an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Moritzstraße finden. Ich hatte hier bereits vor mehr als 3 Jahren herausgefunden, daß Hugo Reschke in wesentlich bescheideneren Verhältnissen lebte, als sie die "Villa Marie" bot.
Wo Carl Reschke wohnte und ob dies überhaupt in Senftenberg war, konnte bislang noch nicht ermittelt werden.

Und so bin ich, obwohl ich eigentlich alle Welt davon überzeugen wollte, daß es keine Verbindung Villa Marie ⇿ Grube Marie gibt, letztlich doch bei den Reschkes gelandet...