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... Zumindest ab und an! Oder kann mir jemand der Anwesenden hier selbst nach langem Nachdenken sagen, wo wir uns Senftenberg-technisch auf rechts abgebildeter Fotopostkarte befinden? Unter uns: ich konnte diese Frage bis vor drei Wochen auch nicht beantworten.
Aber von Anfang an. Ich hatte ja schon mehrfach angemerkt, daß man als Sammler nicht lange überlegen darf, wenn einem ein derartiges Stück angeboten wird. Ein Postausgangsstempel von Senftenberg ist schon mehr als die halbe Miete, um bei einem solchen Exemplar zuzugreifen, bevor es ein anderer Sammler, von denen es ja hier so eine gute Handvoll gibt, tut. Wenn im ersten Moment nicht ganz klar ist, was exakt auf dem Foto zu sehen ist, kann man sich ja darum im Nachgang kümmern. Gesagt - getan. Nachdem ich das Stück physisch in den Händen hielt ging die wirkliche Forschungsarbeit los. Man hat ja immer die Hoffnung, daß man durch digitale Vergrößerung irgendwelche Schilder, Hausnummern etc. so weit herausarbeiten kann, daß man wenigstens einen Anhaltspunkt hat. In vorliegendem Fall: Fehlanzeige. Also ging ich gedanklich sämtliche Straßen Senftenbergs durch, in denen derartige Mehrfamilienhäuser stehen oder standen. Immerhin haben wir es hier mit einigen Besonderheiten zu tun. So befindet sich zum Beispiel der Hauseingang nicht an der Front, sondern an der Giebelseite oder vielleicht sogar im rückwärtigen Teil des Hauses. Signifikant ist auch die Fachwerkarbeit im oberen Teil und die doch schon sehr markante Gestalt der Loggien. Zudem steht das Haus im Verbund mit mindestens einem weiteren Haus vergleichbarer Größe. Dieses schliesst sich links an. Nachdem meine theoretischen Forschungen auch anhand von den spärlich vorhandenen historischen Luftbildern rein gar nichts brachten, machte ich mich sogar mit dem Fahrrad auf den Weg und klapperte sämtliche in Frage kommenden Gegenden Senftenbergs ab. Selbst unter der Prämisse, daß das Haus heutzutage nicht mehr ganz so aussehen könnte (beispielweise wurden in der Vergangengheit mehr als einmal Loggien verschlossen, um zusätzlichen Wohnraum zu gewinnen)... Kein Erfolg!
Und damit war ich mit meinem Latein zunächst am Ende. Im Grunde schrieb ich das Exemplar als Fehlgriff ab... Bis vor drei Wochen!
Ich weiß auch nicht mehr warum ich mir das Ding nochmals vorgenommen habe, aber irgendwie packte es mich und ich studierte nunmehr zusätzlich den rückseitigen Text etwas genauer. Dabei stellte sich heraus, daß sowohl Adressat als auch Absender den doch eher ungewöhnlichen Familiennamen Jozefowski trugen. In der Annahme, daß derartige Fotopostkarten in der Regel von jemandem verschickt wurden, der in irgendeinem Zusammenhang mit dem abgebildeten Haus stand, folgte ich dieser Fährte. Vielleicht ließe sich über irgendein Einwohnerbuch mehr herausfinden?
Bingo! Im Einwohnerbuch 1927, welches zeitlich auch sehr gut zu der Fotopostkarte passt, wurde ich fündig... Jozefowski, Stanislaus, Arb., Briesker Str.78. Das war zumindest schon einmal etwas. Zu dumm, daß sich seit einigen Jahren an dieser Adresse ein Einkaufsmarkt befindet und wir zudem nur extrem wenig historisches Bildmaterial aus der Briesker Straße besitzen.
Senftenberg
Aufnahme <= 1930
Sammlung Matthias Gleisner
Senftenberg Eigentlich verfügen wir nur über eine einzige Dreibildkarte. Aber diese hat es in diesem Fall in sich. Denn man erkennt bei intensiver Inspektion des untersten Motivs diese markante Gestaltung der Loggien wieder, wie wir sie auf besagter Fotopostkarte von nahem bewundern dürfen.

Mission erfüllt! Es hat zwar tatsächlich fast ein Jahr gedauert, aber letztlich konnte ich das Rätsel lösen. Und vor allem, war meine damalige Erwerbung keine Fehlinvestition. Daß es so schwer für mich war, die Aufnahme zu verorten, liegt darin begründet, daß ich diese Häuserzeile eigentlich überhaupt nicht auf meinem Schirm hatte. Und das obwohl der Abriß erst gut 10 Jahre her ist. Aber seien wir mal ehrlich: selbst wenn, dann braucht es schon ein gehöriges Maß an Fantasie, um das Fotopostkartenhaus auf der nachfolgenden Aufnahme wiederzuerkennen, welche die Situation im Jahre 2006, kurz vor dem Abbruch der Gebäude zeigt.

Aufnahme zur Verfügung gestellt von Yana Arlt.
Erschienen in ein haus - zwei leben
Yana & Lydia Arlt, Verlag Wache, 2012

Man erkennt, daß im Laufe der Zeit massive Änderungen an dem Haus durchgeführt wurden. Nicht wie vielleicht vermutet, wurden die Loggien zu Wohnraum umfunktioniert, nein, sie verschwanden stattdessen spurlos. Auch im Bereich des Daches und der Fenster wurden Modifikationen vorgenommen. Eigentlich erinnert nur noch wenig an den originalen Bau.

Von ähnlichem Kaliber ist die zweite Fotopostkarte, die ich heute vorstellen möchte. Nur machte es mir der Absender in diesem Fall sehr einfach, da er seine vollständige Adresse auf der Karte hinterlassen hat... Briesker Str. 29. Wahrscheinlich wäre ich früher oder später auch selbst darauf gekommen, denn immerhin existiert das Haus noch und an dessen äußerer Gestalt hat sich auch nicht sehr viel verändert.

Neben der Adresse erfahren wir vom Kartenschreiber, daß es sich bei zwei der drei Personen, die sich an den Fenstern in Stellung gebracht hatten, um "die Gnädige und seine Wenigkeit" handelt und letzterer "schon über 5 Jahre Magazinverwalter bei einer großen Hoch- und Tiefbaufirma im Benzinwerk (5000 Mann, viel Italiener)" war. Gemeint war sicher die BRABAG in Schwarzheide.

Senftenberg
Aufnahme <= 1941
Sammlung Matthias Gleisner

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